san ju

2. August 2009

gutenberghof

Filed under: koepfe,orte — Schlagwörter: , — sanju @ 11:55

murner in luzern 1
Immerhin vier Jahr seines Lebens verbrachte Thomas Murner in Luzern. 1525 floh er aus dem Elsass in die Stadt, wo er im Barfüsserkloster Lesemeister wurde. In Luzern angekommen, machte er sich sofort daran, im Kloster eine Druckerei einzurichten. So kann Murner wohl als erster Drucker der Stadt Luzern bezeichnet werden. Bereits 1529 verliess er Luzern wieder fluchtartig. Nur so konnte er der drohenden Auslieferung an die reformierten Orte entgehen. Auf geheimen Wegen über das Wallis flüchtete er nach Heidelberg und kehrte 1532 ins Elsass, in seinen Geburtsort Obernai zurück. Die verwaiste Druckerei in Luzern ging wieder ein. Ob man in Luzern gemerkt hatte, dass man mit Murner eine bedeutende Persönlichkeit verloren hatte? 1535 wurde ein Brief nach Obernai gesendet, mit der Bitte, Murner solle nach Luzern zurückkehren, um Leitung der Schule zu übernehmen. Murner lehnte ab. Statt dessen beschäftigte er sich weiterhin an der Übersetzung und Illustrierung der Weltgeschichte von Sabellicus.

Spuren hat Murner kaum in der Stadt Luzern hinterlassen. Keine Strasse, kein Platz wurde nach ihm benannt. Kürzlich hat mich Anna auf das Gebäude an der Morgartenstrasse aufmerksam gemacht. Tatsächlich ist hoch an der Fassade des Gutenberghofes (1905 von der Druckerei Raeber erbaut) eine historisierende Darstellung Murners auszumachen. Immerhin eine kleine Referenz an bedeutenden Literaten des frühen 16. Jahrhunderts.

murner in luzern 3

Bilder: Gutenberghof, Ecke Morgartenstrasse/Frankenstrasse, vierter Stock.

27. Juli 2009

sélestat: praeter me nemo

Filed under: kirchen,koepfe,orte — Schlagwörter: , , — sanju @ 10:23

praeter me nemo

Um von Obernai nach Basel zu gelangen, benützt man am besten den Regionalzug nach Sélestat. Ein Zwischenhalt in Schlettstatt lohnt sich jedenfalls. Sehenswert sind sicher die romanische Kirche St. Foy und die gotische Kirche St. Georges. Daneben ist Sélestat natürlich bekannt wegen seiner Bibliothèque Humaniste, einer Sammlung von Büchern, welche aus der Bibliothek der Latein-Schule von Schlettstadt und der Privatbibliothek von Beatus Rhenanus hervorgegangen ist. In dieser Bibliothek bin ich doch noch auf eine Spur von Thomas Murner gestossen. In einer Vitrine ist eine Schrift ausgestellt, auf deren Titelblatt Jakob Wimpfeling sich mit einer Schar von Freunden und Schülern Thomas Murner entgegen stellt. Murner ist an der Banderole mit der Aufschrift „preter me nemo“, keiner ausser mir, erkennbar. Er hatte 1502 gewagt, eine Schrift des hochangesehenen Schlettstädter Humanisten Wimpfeling anzugreifen. Wimpfeling hatte in einer Schrift mit dem Namen „Germania“ zu begründen versucht, wieso das Elsass deutsch sei; Murner hatte mit einer Gegenschrift „Germania nova“ mit ebenso unzulänglichen Argumenten die französische Herkunft nachgewiesen. Eine Auseinandersetzung bahnte sich an, in deren Folge die Verbreitung der murnerischen Schrift verboten wurde, Murner seine Reputation als Humanist verlor und er zusätzlich mit dem Spottnamen Murnar (Murr-Narr) versehen wurde, ein Name der ihm zeitlebens geblieben ist.

st foy

Bild oben: Ausschnitt aus der Schrift: Defensio Germaniae Jacobi Wympfelingii. Freiburg i. Br. 1502 (aufgenommen durch die Glasscheibe der Vitrine).
Bild unten: Kirche Sainte-Foy (Sankt-Fides) in Sélestat aus dem 12. Jahrhundert (bei einsetzendem Regen).

25. Juli 2009

luzern obernai luzern

Filed under: orte,worte — Schlagwörter: , — sanju @ 06:55

murner strasse
Vor bald 500 Jahren, im Jahr 1525, machte sich der Franziskaner Thomas Murner von Obernai auf, um in Luzern Zuflucht zu finden. Die Stadt Obernai, deutsch Oberehnheim, im Elsass war damals von aufständischen Bauern belagert und die forderten die Auslieferung Murners. Dieser hatte schon kurz zuvor Strassburg verlassen müssen, als wütende Anhänger der Reformation die Druckerei des dezidierten Luthergegners zerstört hatten. Wieso Murner gerade Luzern als seinen Zufluchtsort wählte, ist nicht bekannt. Er kehrte nach kaum vier Jahren wieder in seinen Geburtsort Obernai zurück, wo er 1537 verstarb.
Im lokalen Verkehrsbüro erkundigte ich mich nach Spuren von Murner. Ausser einem kurzen Eintrag im Touristen-Prospekt erinnere nur noch ein Strassenname an den berühmten Obernaier. In der kommunalen Bibliothek jedoch fand ich keinen einzigen Hinweis, kein Buch, zu Murner.

Beim Stadtrundgang sah ich dann doch noch einen Zusammenhang zwischen Luzern und Obernai: in beiden Städte steht ein Kapellturm.

kapellturm

16. September 2008

unsere liebe frau vom wesemlin

Filed under: koepfe,orte — Schlagwörter: , , , — admin @ 18:11


Erst kürzlich wurde mir bekannt, dass der Bibliothekskatalog des Kapuzinerkloster Wesemlin in Luzern online abrufbar ist. So erfuhr ich, dass dort eine recht seltene Flugschrift des Franziskaner Thomas Murner liegt. Nach Absprache mit Christian Schweizer konnte ich in das „Christliche Bärentestament“, das 1528 in Luzern gedruckt wurde, Einsicht nehmen. Thomas Murner war von 1525 bis 1529 Lesemeister im Franziskanerkloster Luzern. Er hatte sich dort eine Druckerei eingerichtet, um seine antireformatorischen Schriften drucken und verbreiten zu können.

Die Gründungslegende des Pilgerortes „Unserer Lieben Frau vom Wesemlin“ ist ebenfalls aus diesem gegenreformatorischen Geist heraus entstanden. Auf Wesemlin soll zu jener Zeit eine kleine Wegkapelle mit dem Bildnis der Maria gestanden haben, das jedoch 1513 von neugläubigen Frevlern zerstört worden sei. An Pfingsten 1531, ein Tag nachdem die reformierten Stände eine Proviantsperre gegen die katholischen Orte ausgesprochen hatten, begab sich Mauritz von Mettenwyl zur zerstörten Kapelle. Dort sah er, wie Maria, mit ihrem Kind im rechten Arm, mit der Sonne hinter ihr und mit dem Mond unter ihren Füssen, in Begleitung von einigen Engeln eine Viertelstunde lang über dem Ort schwebte. Die Erscheinung soll sich am Pfingstmontag im Beisein der ganzem Mettenwyl-Familie ein zweites und letztes Mal wiederholt haben. Das Marienerscheinung war die Grundlage für den Schlachtenhelfermythos, der nach der Schlacht bei Kappel (1531) entstanden war.

Es vergingen darauf 25 Jahre bis 1556 eine neue Marienkapelle geweiht wurde. Die Mettenwyl-Kapelle entwickelte sich zu einem vielbesuchten lokalen Pilgerort. Als nach weiteren 30 Jahren auf Wesemlin das Kapuzinerkloster erbaut wurde, sollen laut Renward Cysat schon mehr als zwanzig Krücken im Kapellenraum gehangen haben. Diese Krücken sowie wächserne und metallische Votivbilder waren die sichtbaren Zeichen für die Wunderkraft des Ortes.

Heute hat das Wesemlin weitgehend die Anziehungskraft als Pilgerort eingebüsst. Der Ort selber strahlt jedoch weiterhin etwas Besinnliches und Ruhiges aus. Die Bronzefigur „Frau mit Kind“ von Markus Vogel, die gegenüber der von der Kirchenfassade herunterblickenden Maria aufgestellt ist, verstärkt diesen Eindruck auf eindrückliche Weise.

(Zu Luzern als Pilgerort vgl. den Aufsatz von Ursula Ganz-Blättler: „Dass die strassen erbessert sigen, ouch die herbergen bereit…“, zu Murner: Max Scherrer: „Des alten christlichen Bären Testament“)

1. April 2008

Der gestryfft Schwitzer Baur

Filed under: worte — Schlagwörter: , , — admin @ 16:54

gestryfft baur

die druckschrift vom gestreiften schweizer bauern erschien 1522 in basel bei Pamphilus Gengenbach. dass der text von einem bauern aus dem entlebuch verfasst wurde, ist eher unwahrscheinlich. mit dem mönch auf dem esel könnte der elsässer kapuziner Thomas Murner gemeint sein.

 

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