san ju

24. März 2010

die vigil von maria verkündigung

Filed under: fische,orte — Schlagwörter: , , — sanju @ 16:20


Natürlich war der Festkalender der katholischen Kirche in früheren Jahren viel umfangreicher als heute. Selbst in der katholischen Innerschweiz sind die meisten Feiertage zwischen Weihnachten und Ostern aus dem öffentlichen Kalender verschwunden. Nicht einmal mehr der der Drei-Königstag vom Januar, die Lichtmesse vom Februar oder der Seppitag vom März sind als Feier- und Freitage geblieben. Nicht zu sprechen vom 25. März, dem Tag von Maria Verkündigung, früher auch Maria im Fasten genannt. Die Annuntiation von Maria ist schon länger aus dem öffentlichen Bewusstsein entschwunden, dabei war dieser Tag früher einmal in gewissen Gebieten so etwas wie das katholische Neujahrsfest. Im Mittelalter wurde der Jahresbeginn nach verschiedenen Arten festgelegt: Es gab den Weihnachststil mit Jahresbeginn am 25. Dezember, den Circumcisionsstil mit Beginn am 1. Januar und eben den Annuntiationsstil mit Beginn am 25. März, dem Tag der „Fleischwerdung“ Jesu.

Selbstverständlich wurde dieser Festtag in füheren Jahren auch in Luzern begannen. Der eigentliche grosse Festtag fand jedoch bereits einen Tag zuvor statt, am 24. März. Auf diesen Tag waren die Einwohner der Stadt Luzern, die Priester aus den umliegenden Gemeinden und Gäste aus der ganzen Eidgenossenschaft dazu eingeladen, am Museggumgang teilzunehmen. In einer feierlichen Prozession wurde die Stadt umschritten. Der Zug startete in der Hofkiche, überquerte die Reuss und führte den Mauern der Kleinstadt entlang bis ins Sentiquartier. Auf der Höhe des Nölliturms wurde die Reuss erneut überquert, um auf die Musegghöhe zu gelangen. Dort wurden die Ablassbullen verlesen und anschliessend eine Predigt gehalten. Um die Attraktivität des Museggumgangs noch zu steigern, wurden im Anschluss an die Prozession ausgewählte Teilnehmer mit Fisch und Wein verpflegt. Die Romfahrt, wie die Prozession auch genannt wurde, verlor im 20. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung. Heute ist der Anlass gänzlich aus dem Festkalender verschwunden.

Vgl. Peter X. Weber: Die Musegg zu Luzern. In: Der Geschichtsfreund, Jg. 94 1939, S. 1–36.

7. Februar 2010

löcher in der museggmauer

Filed under: orte — Schlagwörter: , — sanju @ 14:17

Lastwagen haben ihre Spuren hinterlassen im Tor der Museggmauer bei der Museggstrasse. Mit so hohen Fahrzeugen hatten die Strassenplaner des 19. Jahrhunderts nicht gerechnet. Es waren jedoch nicht die Camions, die die Stabilität der Museggmauer gefährdet haben, sondern ein Wasserrohrbruch. Der Durchgang wird nun vorübergehend geschlossen, bis die Mauer mit Betonpfeiler stabilisiert ist. Eine direkte Einsturzgefahr bestehe nicht. Die eigentliche Ursache der Instabilität sind wohl die Löcher selber. Es sind vielleicht noch von den kleinsten Löchern, die dem Stadtbild von Luzern in den letzten zwei Jahrhunderten beigefügt wurden. Die Stadt Luzern hatte sich seit der Befestigung im Mittelalter kaum verändert. Im Bereich der nordwestlichen Museggmauer befanden sich noch um 1790 lauschige Wiesen.

Im Rahmen der Stadterweiterung im 19. Jahrhundert wurde die Stadt auf der südlichen Seite weitgehend entfestigt. Die Hofbrücke wurde abgerissen, ein Grossteil der Mauern, Türme und Tore wurde abgetragen (Baslertor, Weggistor, Burgertor, Bruchtor…) und die Schanzengräben zugeschüttet.Auch für die Schleissung der Museggmauern bestanden Pläne. Der Stadtrat erkannte bei diesem Bauwerk den malerischen (und touristischen) Wert. So wurde 1876, als die Museggstrasse gebaut wurde, die Mauer nicht abgerissen sondern mit drei Löchern durchstossen. Wohl um dem neuen Tor einen mittelalterlichen Anstrich zu geben, wurde auf der Aussenseite der Durchbruches ein in Stein gehauenes Dreipasswappen der Stadt Luzern angebracht.

Zwei wilde keulenschwingende Männer halten je ein Luzerner Wappen. Auf der Wappenpyramide steht ein Schild mit einem Doppeladler. Dies ist nicht eine Referenz an das Emblem Albaniens und des Kosovos, sondern an das (deutsche) Reich. Die Darstellung des zweiköpfigen Adlers wurde im späten Mittelalter gerne über Toren öffentlicher Gebäude angebracht, um die Reichsfreiheit (direkt dem König oder Kaiser unterstellt)  zu markieren. Die wilden Männer, ein auch in der Luzerner Fastnacht verankerte Gestalt, symbolisieren den Drang nach Freiheit wie auch die Unterdrückung durch Gewalt.

Zur Entfestigung der Stadt Luzern vgl. den Aufsatz von Edgar Rüesch in: Luzern 1178-1978. Beiträge zur Geschichte der Stadt. Luzern 1978.

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