san ju

20. August 2010

paella al libre albedrio

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¡Oh insigne sinfonía de todos los colores!
O herrlich Symphonie aller Farben
O illustre Paella!
Dein Äusseres prangt in bunter Bluse,
Dein Innerstes brennt in jungferlichen Ängsten.
O buntes Farbengericht,
Das man, bevor man es kostet, mit den Augen verzehrt!

Paella nach Lust und Laune

Zum ersten Geburtstag vom kleinen Efrem gab es diesmal Paella nach Lust und Laune (al libre albedrio). Die Freiheit bestand darin, dass der Geflügel- und Meeresfrüchtezwang aufgehoben wurde. Endlich mal eine Paella, an der sich auch die Vegetarier erlaben konnten (und zwar nicht nur mit den Augen). Die Zutaten können entsprechend nach Lust und Laune und je nach Saison variiert werden. Für die abgebildete Paella (Pfannendurchmesser 68cm) habe ich folgende Zutaten ausgewählt:

Zutaten für ca. 25 Personen

  • 3-4 Zwiebeln
  • 1 Knoblauch
  • 2 Artischocken
  • 4-5 Peperoni (verschiedene Farben)
  • 3 Zucchetti
  • 2-3 Rübli
  • 2 kl. Broccoli
  • 1 Pfund Coco-Bohnen
  • 4-5 Tomaten
  • 1 kl. Aubergine
  • 1 Litert trockener Weisswein
  • 2-3 dl Olivenöl
  • 4-5 Liter Bouillon
  • 2 kg Risotto-Reis
  • Lorbeerblatt, Peterli, etwas Kreuzkümmel
  • Salz, Paprika, Pfeffer, Safran

Mise en Place

Zubereitung:

In separater Pfanne 4-5 Liter (Gemüse-)Bouillon aufwärmen.

Safran in einem kleinen Glas in Bouillon auflösen.

Rübli in feine Stifte, Peperoni in Dreiecke und Cocobohnen in 4cm grosse Stücke schneiden. Artischocken von den äusseren Blättern und den Spitzen befreien und achteln. Alles zusammen mit ein paar Knoblauchzehen in Olivenöl andämpfen und danach aus der Paella-Pfanne heben.

In Scheiben geschnittene Zucchetti und Auberginen und die Broccoli-Röschen ebenfalls andämpfen und separat aus der Pfanne nehmen.

Zwiebeln und weitere Knoblauchzehen in die Pfanne geben, Tomaten hinzufügen und im Öl andämpfen. Peperoni-Bohnen-Rübli-Artischocken-Gemüse beigeben und durchdämpfen. Reis einstreuen mit dem Gemüse mischen und mit Wein und der warmen Bouillon ablöschen. Safran, Paprika, Peterli und andere Gewürze beigeben. Zum letzten Mal durchmischen. Eventuell nachsalzen und dem Koch ein, zwei Glas Weisswein zubilligen.

Den kochenden Reis mit der Zucchetii-Auberginen-Brokkoli-Mischung belegen und die Hitze reduzieren.

Die Paella etwa 15 Minuten leise kochen lassen. Wenn der Reis fast weich ist, die Pfanne vom Feuer nehmen, die Paella mit Alufolie und einigen Zeitungen zudecken und das Ganze etwa fünf Minuten ruhen lassen.

Jetzt bleibt noch Zeit, das vorbereitete Fleisch und die Würste auf den Grill zu legen, damit auch die Nicht-Vegetarier auf ihre Rechnung kommen. Zur Paella passen gut verschieden Salate.

(14. August 2010, Reussmatt, Luzern)

PS: Das pathetische Paella-Gedicht ist dem Krimi Tahiti liegt bei Barcelona von Manuel Vázquez Montalbán (Die Meere des Südens, ISBN 3-492-23149-7 Pick It! ) entnommen.

Fachmännischer Beobachter

18. April 2010

vulkanwolke über der schweiz

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Vor bald zweihundert Jahren, am 5. April 1815, kam es auf einer Insel im fernen Indonesien zu einem gewaltigen Vulkanausbruch. Fünf Tage später explodierte dann der Vulkan Tambora mit solcher Gewalt, dass das Donnern in 2000 km Entfernung zu hören war. Die Eruption schleuderte eine Unmenge von vulkanischem Material in die Lüfte. Der Vulkanausbruch wirkte sich verheerend aus für die lokale Bevölkerung. Es sollen mehr als 70′000 Menschen im Aschenregen ihr Leben verloren haben. Ein grosser Teil der Vulkanwolke breitete sich in der Atmosphäre aus und hatte weltweite Auswirkungen für das Klima, Auswirkungen, die bis nach Luzern zu spüren waren.
Die Nachwirkungen der Vulkanexplosion machten sich auf der ganzen nördlichen Erdhalbkugel mit einer spürbaren Abkühlung bemerkbar. Das Jahr 1816 ging als das “Jahr ohne Sommer” in die Klimageschichte ein. Betroffen waren vor allen der Nordosten Amerikas sowie Westeuropa, besonders der süddeutsche Raum, Vorarlberg,
Tirol und die Schweiz. Nach einem späten Frühling folgte ein kurzer Sommer und ein früher Winter. Es kam zu erheblichen Ernteausfällen. Die Folgen waren eine Verknappung der Lebensmittel und ein enormer Preisanstieg für das Getreide. Die Krise von 1816 weitete sich im folgenden Jahr in gewissen Teilen der Schweiz zu einer eigentlichen Katastrophe aus. In der Ostschweiz sollen 1817 an die 5000 Personen an den Folgen der Hungersnot gestorben sein.

Auch Luzern und die Innerschweiz waren von der Klimaveränderung stark betroffen. Der Sommer 1816 war so kalt und niederschlagreich, dass die Getreideernte auf ein Drittel des Normalertrages zurückging. Älpler mussten ihr Vieh wegen Schneefalls immer wieder ins Tal fahren. Die Kartoffelernte fiel wegen des nassen Wetters äusserst gering aus. Die Ernteausfälle hatten eine massive Teuerung zur Folge. Die Getreidepreise stiegen unaufhaltsam. Gemessen am Vorjahr erhöhte sich der Preis für Weizen und Brot am Luzerner Markt an die 400 Prozent.
Hauptbetroffen von der Ernährungskrise war die ärmere Bevölkerung, für die Brot und Kartoffeln schon bald unerschwinglich wurde. Der Amtmann vom Entlebuch meldete nach Luzern, dass manche Familien sich nur noch von Ziegenmilch ernährten. Vom Amt Willisau trafen Berichte ein, dass sich einige Leute nur noch mit Kräutern und Buchenlaub am Leben hielten. In der Stadt Luzern wurde von privater Seite eine Suppenanstalt eingerichtet, um die Not der ärmeren Bevölkerung etwas zu mildern. Trotz gewisser Hilfsmassnahmen stieg die Sterbequote in Luzern erheblich. Ein Nebenfolge war der Anstieg der Kriminalität. Vor allem Anklagen wegen Diebstahls häuften sich. Im Sommer 1817 waren die Gefängnisse von Luzern so überfüllt, dass von Seuchengefahr die Rede war.
Die Massnahmen der Obrigkeit, um die Not der Bevölkerung zu lindern, blieben bescheiden. Verbrechensbekämpfung war wichtiger als Massnahmen zur Linderung der Hungersnot. Im April 1817 beschloss die Luzerner Regierung immerhin, in Norditalien und Südfrankreich Getreide und Reis einzukaufen. Die Lieferungen trafen jedoch erst ein, als bereits ein Ende der Hungerkrise absehbar war.

Literatur:
- Heidi Bossard-Borner: Im Banne der Revolution. Luzern 1998. S. 323-333.
- Louis Specker: Die grosse Heimsuchung. Das Hungersjahr 1816/17 in der Ostschweiz. St. Gallen 1993/1995.
- Charles R. Harington: The Year Without a Summer? World Climate in 1816. Ottawa 1992.

Das Bild der Ostschweizer Künstlerin Anna Barbara Giezendanner (1831-1905) stellt hungernde Menschen dar, die gemeinsam mit dem Vieh am Grasen sind.

24. März 2010

die vigil von maria verkündigung

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Natürlich war der Festkalender der katholischen Kirche in früheren Jahren viel umfangreicher als heute. Selbst in der katholischen Innerschweiz sind die meisten Feiertage zwischen Weihnachten und Ostern aus dem öffentlichen Kalender verschwunden. Nicht einmal mehr der der Drei-Königstag vom Januar, die Lichtmesse vom Februar oder der Seppitag vom März sind als Feier- und Freitage geblieben. Nicht zu sprechen vom 25. März, dem Tag von Maria Verkündigung, früher auch Maria im Fasten genannt. Die Annuntiation von Maria ist schon länger aus dem öffentlichen Bewusstsein entschwunden, dabei war dieser Tag früher einmal in gewissen Gebieten so etwas wie das katholische Neujahrsfest. Im Mittelalter wurde der Jahresbeginn nach verschiedenen Arten festgelegt: Es gab den Weihnachststil mit Jahresbeginn am 25. Dezember, den Circumcisionsstil mit Beginn am 1. Januar und eben den Annuntiationsstil mit Beginn am 25. März, dem Tag der “Fleischwerdung” Jesu.

Selbstverständlich wurde dieser Festtag in füheren Jahren auch in Luzern begannen. Der eigentliche grosse Festtag fand jedoch bereits einen Tag zuvor statt, am 24. März. Auf diesen Tag waren die Einwohner der Stadt Luzern, die Priester aus den umliegenden Gemeinden und Gäste aus der ganzen Eidgenossenschaft dazu eingeladen, am Museggumgang teilzunehmen. In einer feierlichen Prozession wurde die Stadt umschritten. Der Zug startete in der Hofkiche, überquerte die Reuss und führte den Mauern der Kleinstadt entlang bis ins Sentiquartier. Auf der Höhe des Nölliturms wurde die Reuss erneut überquert, um auf die Musegghöhe zu gelangen. Dort wurden die Ablassbullen verlesen und anschliessend eine Predigt gehalten. Um die Attraktivität des Museggumgangs noch zu steigern, wurden im Anschluss an die Prozession ausgewählte Teilnehmer mit Fisch und Wein verpflegt. Die Romfahrt, wie die Prozession auch genannt wurde, verlor im 20. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung. Heute ist der Anlass gänzlich aus dem Festkalender verschwunden.

Vgl. Peter X. Weber: Die Musegg zu Luzern. In: Der Geschichtsfreund, Jg. 94 1939, S. 1–36.

7. Februar 2010

löcher in der museggmauer

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Lastwagen haben ihre Spuren hinterlassen im Tor der Museggmauer bei der Museggstrasse. Mit so hohen Fahrzeugen hatten die Strassenplaner des 19. Jahrhunderts nicht gerechnet. Es waren jedoch nicht die Camions, die die Stabilität der Museggmauer gefährdet haben, sondern ein Wasserrohrbruch. Der Durchgang wird nun vorübergehend geschlossen, bis die Mauer mit Betonpfeiler stabilisiert ist. Eine direkte Einsturzgefahr bestehe nicht. Die eigentliche Ursache der Instabilität sind wohl die Löcher selber. Es sind vielleicht noch von den kleinsten Löchern, die dem Stadtbild von Luzern in den letzten zwei Jahrhunderten beigefügt wurden. Die Stadt Luzern hatte sich seit der Befestigung im Mittelalter kaum verändert. Im Bereich der nordwestlichen Museggmauer befanden sich noch um 1790 lauschige Wiesen.

Im Rahmen der Stadterweiterung im 19. Jahrhundert wurde die Stadt auf der südlichen Seite weitgehend entfestigt. Die Hofbrücke wurde abgerissen, ein Grossteil der Mauern, Türme und Tore wurde abgetragen (Baslertor, Weggistor, Burgertor, Bruchtor…) und die Schanzengräben zugeschüttet.Auch für die Schleissung der Museggmauern bestanden Pläne. Der Stadtrat erkannte bei diesem Bauwerk den malerischen (und touristischen) Wert. So wurde 1876, als die Museggstrasse gebaut wurde, die Mauer nicht abgerissen sondern mit drei Löchern durchstossen. Wohl um dem neuen Tor einen mittelalterlichen Anstrich zu geben, wurde auf der Aussenseite der Durchbruches ein in Stein gehauenes Dreipasswappen der Stadt Luzern angebracht.

Zwei wilde keulenschwingende Männer halten je ein Luzerner Wappen. Auf der Wappenpyramide steht ein Schild mit einem Doppeladler. Dies ist nicht eine Referenz an das Emblem Albaniens und des Kosovos, sondern an das (deutsche) Reich. Die Darstellung des zweiköpfigen Adlers wurde im späten Mittelalter gerne über Toren öffentlicher Gebäude angebracht, um die Reichsfreiheit (direkt dem König oder Kaiser unterstellt)  zu markieren. Die wilden Männer, ein auch in der Luzerner Fastnacht verankerte Gestalt, symbolisieren den Drang nach Freiheit wie auch die Unterdrückung durch Gewalt.

Zur Entfestigung der Stadt Luzern vgl. den Aufsatz von Edgar Rüesch in: Luzern 1178-1978. Beiträge zur Geschichte der Stadt. Luzern 1978.

5. November 2009

igraine ohnefurcht

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igraine joan
Grosse Aufregung herrscht auf Schloss Bibernell. Der Strauchritter Owan Ohneherz und sein Gehilfe Gilgalad wollen das Schloss erobern und die Zauberbücher entführen. Zusammen mit dem traurigen Ritter vom Berg der Tränen gelingt es der jungen Ritterin Igraine Ohnefurcht, die Gefahr abzuwenden. Das Schloss Bibernell mit allen seinen Bewohnern und samt den singenden Büchern ist gerettet.

Eines der singenden Bücher in der diesjährigen Märchen-Aufführung des Stadttheater Luzern wird von Joan dargestellt. Auf dem Bild ist sie rechts mit dem kecken Schnurrbart zu erkennen.

Das Stück wird bis zum 17. Januar 2010 aufgeführt. Fotografiert wurden die singenden Bücher von Karim.

17. September 2009

ein reisläufer gottes

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Martin Schmid Reisläufer Gottes
Ein Reisläufer Gottes: diesen Titel gab Felix Alfred Plattner 1944 der Lebensgeschichte des aus Baar stammenden Jesuiten-Missionars Martin Schmid. Ob die martialische Bezeichnung durch die Kriegszeit bedingt war oder ob sie auf den militärischen Sprachgebrauch der Jesuiten zurückzuführen ist, kann wohl nicht mehr festgestellt werden. Der Autor beklagt sich, dass in Luzern wohl mit dem Löwendenkmal den militärischen Söldner ein Denkmal errichtet worden sei, nicht jedoch den Reisläufern Gottes, die von Luzern aus nach beiden “Indien” aufgebrochen waren, um die Welt geistig zu erobern. Mit seiner Schrift, die sich in erster Linie auf die Briefe von Martin Schmid beruft, wollte Plattner gleichsam stellvertretend den Innerschweizer Missionaren ein Denkmal setzen.
Was Plattner damals bereits ahnte, ist die Tatsache, dass Martin Schmid sich selber bemerkenswerte Denkmäler gesetzt hatte. Denkmäler, die zwar auch als Touristenattraktionen gelten, im Gegensatz zum Löwendenkmal jedoch zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt worden sind.
San_Javier_church

Martin Schmid (1694-1772), der am Jesuiten-Kollegium in Luzern studiert hatte, machte sich 1726 nach Südamerika auf. Während seines fast 40jährigen Aufenthaltes bei den Chiquito-Indianer im heutigen Bolivien, entpuppte er sich als wahres Genie (auch das ein Buchtitel von Plattner). Schmid betätigte sich nicht nur als Missionar, sonder verfasste unter anderem eine Grammatik in Chiquitano, komponierte geistige Musikwerke und lernte die Indianer, diese Stücke mit selbstangefertigten Instrumenten spielen. Daneben betätigte er sich als Architekt. Die von ihm konstruierten Urwaldkirchen sind es, die ins Welt-Kulturerbe aufgenommen wurden.

Als nach 1767 alle Jesuiten das Land aus politischen Gründen verlassen musste, kehrte Martin Schmid nach Europa zurück. Der mehr als 70järige Pater wurde vorerst für fünfzehn Monate in Cadiz interniert, bevor er nach einem Aufenthalt in Augsburg ans Jesuiten-Kolleg von Luzern zurückkehren konnte. 1772 starb er, gerade ein Jahr bevor der Jesuitenorden aufgelöst wurde.

Bilder:
- Der Reisläufer Gottes ist ein Ausschnitt des Schutzumschlages des gleichnamigen Buches.
- Die Kirche San Javier steht in der Provinz Ñuflo de Chávez, Bolivien. (siehe Wikipedia: Jesuit Missions of the Chiquitos)

Bücher von Felix Alfred Plattner:
- Ein Reisläufer Gottes. Das abenteuerliche Leben des Schweizer Jesuiten P. Martin Schmid aus Baar. Luzern 1944.
- Genie im Urwald. Das Werk des Auslandschweizers Martin Schmid aus Baar. Zürich 1959.

Beachte den Artikel von Delf Bucher in der NZZ vom 7. 3. 2002: Die Jesuiten Missionen im bolivianischen Tiefland (pdf).

2. August 2009

gutenberghof

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murner in luzern 1
Immerhin vier Jahr seines Lebens verbrachte Thomas Murner in Luzern. 1525 floh er aus dem Elsass in die Stadt, wo er im Barfüsserkloster Lesemeister wurde. In Luzern angekommen, machte er sich sofort daran, im Kloster eine Druckerei einzurichten. So kann Murner wohl als erster Drucker der Stadt Luzern bezeichnet werden. Bereits 1529 verliess er Luzern wieder fluchtartig. Nur so konnte er der drohenden Auslieferung an die reformierten Orte entgehen. Auf geheimen Wegen über das Wallis flüchtete er nach Heidelberg und kehrte 1532 ins Elsass, in seinen Geburtsort Obernai zurück. Die verwaiste Druckerei in Luzern ging wieder ein. Ob man in Luzern gemerkt hatte, dass man mit Murner eine bedeutende Persönlichkeit verloren hatte? 1535 wurde ein Brief nach Obernai gesendet, mit der Bitte, Murner solle nach Luzern zurückkehren, um Leitung der Schule zu übernehmen. Murner lehnte ab. Statt dessen beschäftigte er sich weiterhin an der Übersetzung und Illustrierung der Weltgeschichte von Sabellicus.

Spuren hat Murner kaum in der Stadt Luzern hinterlassen. Keine Strasse, kein Platz wurde nach ihm benannt. Kürzlich hat mich Anna auf das Gebäude an der Morgartenstrasse aufmerksam gemacht. Tatsächlich ist hoch an der Fassade des Gutenberghofes (1905 von der Druckerei Raeber erbaut) eine historisierende Darstellung Murners auszumachen. Immerhin eine kleine Referenz an bedeutenden Literaten des frühen 16. Jahrhunderts.

murner in luzern 3

Bilder: Gutenberghof, Ecke Morgartenstrasse/Frankenstrasse, vierter Stock.

15. Mai 2009

indianer in luzern

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indianer-in-luzern
Indianer haben Konjunktur. Dies nicht nur wegen des deutschen Finanzministers, der glaubt mit seiner Kavallerie die Schweizer Eingeborenen eingeschüchtert zu haben. Aktuell wird in den nationalen Medien auch des ältesten Luzerner Indianers gedacht. Zu Ehren des Vorort-Apachen Angy Burri wurde in Luzern zu dessen siebzigsten Geburtstag in der Kornschütte eigens eine Ausstellung eingerichtet.
Luzern und Indianer haben allerdings eine lange Tradition. Seit dem späten 17. Jahrhundert, seit 1667 die Jesuitenkirche fertig gestellt war, kniet ein bekehrter Indianer mit Federschmuck und Lendenschurz, ausgerüstet mit Pfeil und Köcher, zu Füssen des Fassadenheiligen Franz Xaver, der als neuer Stadtpatron beschützend auf Reuss und Altstadt blickt. Unlängst hat die Kunsthistorikerin Christine Göttler in einem Vortrag zur Jesuitischen Kultur in Luzern (Die Kunst der Konversion. Antwerpen, die Jesuiten und die neue Welt) auf diese Statue hingewiesen. Erwähnt hat sie dabei auch die Tatsache, dass Franz Xaver wohl von Indien bis nach China missionierte, dass er jedoch nie einen leibhaftigen Indianer zu Gesicht bekommen hatte. Dass die Jesuiten es nicht nur als ihre Aufgabe anschauten, in Übersee Seelen zu fischen, sondern auch die einheimischen Indianer missionieren wollten, auf das weisst der Historiker Dominik Sieber hin. Er bietet zur Zeit an der Universität Zürich ein Seminar an mit dem Titel: “Eigene Indianer. Barocke Volkskulturen in Luzern und der Innerschweiz”.

Christine Göttler: Novissima: Art and Religious Practice in the Age of Reform (Veröffentlichung demnächst).
Dominik Sieber: Jesuitische Missionierung, priesterliche Liebe, sakramentale Magie. Volkskulturen in Luzern 1563-1614. Basel 2005.

10. April 2009

passagen und relikte

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hertenstein1
Nur selten ist das Bild von Jakob Hertenstein in der Öffentlichkeit zu sehen. Es ist das älteste Bild, oder sicher das älteste Luzerner Bild, das sich im Kunstmuseum Luzern befindet und jetzt im Rahmen der Austellung “Passagen und Relikte” gezeigt wird.
Das Bild wurde 1514 von einem der reichsten Luzerner Bürger in Auftrag gegeben. Die Familie des Jakob Hertenstein stammt ursprünglich aus Weggis, wo sie die gleichnamige Burg bewohnten. Später erwarben die Hertenstein das Schloss in Buonas und wurden ab dem 15. Jahrhundert Bürger der Stadt Luzern. Jakob, geboren um 1460, verstand es, sein Vermögen stetig wachsen zu lassen. Das geschah durch eine geschickte Heiratspolitik, durch Beteiligung an der Ravensburger Handelsgesellschaft und durch Erhalt von Pensionsgelder für fremde Söldnerdienste. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere, im Jahr 1514 lies er sich von einem (heute unbekannten) Luzerner Maler porträtieren. Zur gleichen Zeit entschloss er sich ein seinem sozialen Stand entsprechendes Haus in Luzern zu errichten. Das Haus sollte innen und aussen kunstvoll mit Wandmalereien geschmückt werden. Für diese Malereien konnte Hertenstein, wohl dank seiner Beziehungen zu Basler Familien, sich der Dienste einer bedeutenden Künstlerfamilie versichern. Kein Geringerer als Hans Holbein der Jünger (und dessen Vater und Bruder) begannen das Haus am Kapellplatz mit Malereien zu versehen.
Das Hertenstein-Haus wurde 1825 abgerissen. Im letzten Moment, die Abbrucharbeiten waren bereits im Gange, wurden die damals in Luzern ansässigen Kunstmaler aufgeboten, um wenigstens Umzeichnungen und Skizzen der wertvollen Malereien anzufertigen. Einige dieser Umzeichnungen, sowie eines der wenigen erhaltenen Wandfragmente, sind gegenwärtig im Kunstmuseum Luzern zu besichtigen. Daneben sind eine paar andere selten gezeigte Luzerner Relikte aus dem 16. und 17. Jahrhundert ausgestellt. Diese kleine Zusatzausstellung lohnt es zu beachten, wenn man wohl in erster Linie wegen den Relikten des zeitgenössischen “Luzerner” Künstlers Urs Lüthi das Museum besuchen wird.

28. März 2009

i p v t

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troxler1
Schlau oder zumindest verschmitzt erscheint Ignaz Paul Vital Troxler auf dem bekanntesten von ihm erhaltenen Bildnis. Troxler war 1780 in Beromünster als ältester Sohn eines Schneiders und Ladenbesitzers geboren. Seinen Vater verlor er bereits als zehnjähriger. Seine Mittelschulzeit verbrachte er an den Jesuitenschulen von Solothurn und Luzern. In dieser Zeit begeisterte er sich für die Ideen der französischen Revolution. Bei der Helvetische Revolution wurde der junge Troxler sogleich zum “Kriegskommissar für den Distrikt Münster” und später zum Privatsekretär des Regierungsstatthalters Rüttimann ernannt. Eine Politische Karriere schien vorgezeichnet zu sein. Doch Troxler entschied sich für die Ausbildung zum Arzt und zog nach Jena und  Wien.

Nach einem kurzen Zwischenspiel von 1806 musste er Beromünster fluchtartig verlassen. Troxler kehrte nach Wien zurück, wo er seine spätere Frau kennenlernte. Mit ihr zog er 1809 erneut nach Beromünster, um eine Arztpraxis zu eröffnen. Als er um eine Bewilligung vorsprach, wurde er jedoch festgenommen. Erst als er nach inständigen Bitten seiner jungen Gemalin und seiner Mutter sich beim Sanitätsrat entschuldigte, wurde er nach einwöchiger Haft wieder entlassen.

Troxler hielt sich in der Folge politisch eher zurück. Das änderte sich jedoch als im Februar 1814 in Luzern ein Staatsstreich stattfand. Das Meiste, was man durch die Helvetische Revolution gewonnen hatte, sollte wieder rückgängig gemacht werden. Es sollte wieder der Zustand vor 1798 hergestellt werden (Restauration). An der Spitze des Putsches stand Vinzenz Rüttimann; derjenige Rüttimann, der 1798 der Revolution in Luzern zum Durchbruch verholfen hatte und den jungen Troxler zu seinem Sekretär ernannt hatte und der schon die erste Verhaftung Troxlers veranlasst hatte.

Troxler und einige seiner Freunde setzten eine Petition gegen die neuen (alten) Machthaber auf. Die Volkssouveränität sollte wieder hergestellt und die Vormacht der Stadt über das Land sollte beendet werden. Die Petition mit über 70 Unterschriften wurde konfisziert. An die 20 Verdächtige wurden inhaftiert; darunter auch Troxler. Nach fünf Wochen Haft in Sursee wurde Troxler gegen Kaution frei gelassen. Die Urheberschaft der Bittschrift konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Erneut verliess Troxler Beromünster mit seiner Familie Richtung Wien. Einen kühnen Plan hatte er gefasst. Mit anderen demokratisch gesinnten Schweizern wollte er sich direkt am Wiener Kongress für die Volksrechte einsetzen.

(Zu den Verhältnisse in Luzern zur Zeit der Helvetik vgl. Heidi Bossard-Borner, Im Bann der Revolution. Der Kanton Luzern 1798-1831/50.  Luzern 1998.)

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