san ju

3. August 2011

lactatio bernardi in alberswil.

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Maria spritzt Milch: Ausschnitt des Altarbildes des nördlichen Nebenaltars

Mindestens zwei mal täglich, vor und nach dem Mittagessen, wurde früher das Gegrüsst-seist-du-Maria gebetet. Den Satz Du bist gebenedeit unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes Jesus habe ich als Kind nie richtig verstanden. Weder unter gebenedeit noch unter Frucht deines Leibes konnte ich mir etwas vorstellen. Erst nach der neuen Sprachregelung nach Vatikan II verstand ich den Text besser. Für den Heiligen Bernhard, hatte die Frucht Marias jedoch andere Qualität. Direkt den Mund des staunenden Heiligen traf Maria mit ihren Milchstrahl. So die Darstellung des Luzerner Künstlers Johann Jakob Fleischlin (um 1669-1700), wie sie in der ländlichen Kapelle St. Blasius in Alberswil zu betrachten ist.

Der heilige Bernhard empfängt Marias Milchstrahl: Ausschnitt des Altarbildes des nördlichen Nebenaltars

3. Oktober 2010

messebeginn am sankt leodegar

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Dieses Jahr fiel der Beginn der Luzerner Herbstmess mit dem Patrozinium des Sankt Leodegar zusammen. Gleichzeitig war der diesjährige 2. Oktober ein sonniger, warmer Herbsttag, der mit einem kitschig-roten Alpenglühen abschloss. Wir beendeten den Tag mit ein paar Gläsern Rotwein unter alten Freunden.

25. August 2010

120 meter höhendifferenz

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Geplant war eine kleine Velotour von Luzern nach Sempach-Station, genaugenommen zum Weiler Adelwil. Ich wählte die gut ausgeschildert Radroute Nr. 3 aus. Ausgangs Emmen wurde ich durch ein Hinweisschild vor der drohenden Steigung gewarnt: 120 Meter Höhenunterschied auf den nächsten 8 Kilometern. Untrainiert wie ich bin, kam ich recht ins Schwitzen und war froh, als ich den Turm der Kirche Bertiswil sah. Er gab mir Anlass für einen Zwischenhalt. Die Kirche Bertiswil steht etwas ausserhalb von Rothenburg Richtung Rain. Sie wurde erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt und nach 1500 wesentlich umgebaut und vergrössert. Die äussere Form hat sich in den letzten 500 Jahren unwesentlich verändert. Vor allen der Kirchturm mit dem charakteristischen Giebeldach gibt der Kirche ihr mittelalterliches Gepräge.

Im Chorraum sind beachtliche Fresken aus dem frühen 16. Jahrhundert wieder freigelegt worden. Sonst hat die Ausstattung des Innenraumes seit dem späten Mittelalter doch einige Änderungen erfahren. Die Altäre stammen aus dem Barock, der Hauptaltar von 1688, die Seitenaltäre von 1700. Das Zentrum des Hauptaltares bildet eine Pièta, Maria mit dem geschundenen Jesus auf ihrem Schoss. Auf den zwei seitlichen Konsolen stehen Jakobus und die hübsche Maria Magdalena.

An den beiden Seitenansichten des Tabernakels sind zwei spät-gotische Reliefs angebracht. Auf ihnen sind die vierzehn Nothelfer dargestellt.

Die vierzehn Nothelfer erlebten seit dem 14. Jahrhundert eine immer grössere Beliebtheit in der Volksfrömmigkeit. Zur gleichen Zeit als die Kirche von Bertiswil neu erbaut wurde, war im ganzen Gebiet des Kanton Luzerns eine rege Kirchenbautätigkeit im Gange. Gleichzeitig war ein Anstieg der Heilgenverehrung und des lokalen Wallfahrtswesen zu beobachten. Die Nothelfer waren oft das Ziel von Verehrungen; wohl auch deshalb, weil mit ihnen die verschiedensten Bedürfnisse abgedeckt waren. Längst ist nicht mehr vielen bekannt, für welche Krankheiten und Wünschen welcher der Heiligen angerufen werden kann.
Erasmus, auf dem Bild der erste oben links, hilft bei Krämpfen und Koliken; Dionysius bei Kopfweh und schlechtem Gewissen; Eustachius bei Trauerfällen; Achatius bei Todesangst. In der unteren Reihe sind die drei nach Maria am meisten verehrten Heiligen dargestellt. Barbara, die erste unten links, schützt vor Blitz und Feuersbrunst; Katharina ist Beschützerin aller Mädchen und Frauen und hilft bei Sprachschwierigkeiten. Margareta schliesslich verhilft zu einer guten Geburt und beschleunigt allgemein die Wundheilung.

Das Relief mit der zweiten Hälfte der vierzehn Nothelfer beginn mit einem für das späte Mittelalter äusserst wichtigen Heiligen, mit Christopherus. Ihn rief man an, damit man nicht unerwartet den Tod fand. Neben ihm ist ein Bischof dargestellt. Obwohl er die Insignien von Nikolaus trägt, dürfte sich um Blasius handeln. Dieser war zuständig für alle Halserkrankungen. Neben ihm steht Pantaleon, der Patron der Hebammen und Ärzte. Die zweite Reihe beginnt mit dem Drachentöter St. Georg. Er konnte bei verschiedensten Anliegen angesprochen werden. So schützte er vor Pest und Krieg, galt aber auch als Beschützer der Haustiere. Den Abschluss bilden Vitus (Veit), der Helfer bei Geisteskrankheit, Cyriacus, der Beistand in der Todesstunde und Ägidius, der gerne von stillenden Müttern angerufen wurde.

Nach dem kulturhistorisch überraschenden Kirchenbesuch (vlg. Eintrag im HLS) mussten nun noch die letzten Höhenmeter Richtung Sandblatten bewältigt werden. Nach kaum einem Kilometer wies mich der nächsten sakralen Wegbegleiter, ein imposantes Wegkreuz, auf die Abzweigung nach Sempach hin. Von jetzt an ging es auf einer kaum befahrenen Nebenstrasse fast nur noch begab. Gerne tauschte ich einige der gewonnenen Höhenmeter mit einer leichten Abfahrt. Mein Ziel war Adelwil, ebenfalls ein Wallfahrtsort der vierzehn Nothelfer.

15. Mai 2009

indianer in luzern

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indianer-in-luzern
Indianer haben Konjunktur. Dies nicht nur wegen des deutschen Finanzministers, der glaubt mit seiner Kavallerie die Schweizer Eingeborenen eingeschüchtert zu haben. Aktuell wird in den nationalen Medien auch des ältesten Luzerner Indianers gedacht. Zu Ehren des Vorort-Apachen Angy Burri wurde in Luzern zu dessen siebzigsten Geburtstag in der Kornschütte eigens eine Ausstellung eingerichtet.
Luzern und Indianer haben allerdings eine lange Tradition. Seit dem späten 17. Jahrhundert, seit 1667 die Jesuitenkirche fertig gestellt war, kniet ein bekehrter Indianer mit Federschmuck und Lendenschurz, ausgerüstet mit Pfeil und Köcher, zu Füssen des Fassadenheiligen Franz Xaver, der als neuer Stadtpatron beschützend auf Reuss und Altstadt blickt. Unlängst hat die Kunsthistorikerin Christine Göttler in einem Vortrag zur Jesuitischen Kultur in Luzern (Die Kunst der Konversion. Antwerpen, die Jesuiten und die neue Welt) auf diese Statue hingewiesen. Erwähnt hat sie dabei auch die Tatsache, dass Franz Xaver wohl von Indien bis nach China missionierte, dass er jedoch nie einen leibhaftigen Indianer zu Gesicht bekommen hatte. Dass die Jesuiten es nicht nur als ihre Aufgabe anschauten, in Übersee Seelen zu fischen, sondern auch die einheimischen Indianer missionieren wollten, auf das weisst der Historiker Dominik Sieber hin. Er bietet zur Zeit an der Universität Zürich ein Seminar an mit dem Titel: “Eigene Indianer. Barocke Volkskulturen in Luzern und der Innerschweiz”.

Christine Göttler: Novissima: Art and Religious Practice in the Age of Reform (Veröffentlichung demnächst).
Dominik Sieber: Jesuitische Missionierung, priesterliche Liebe, sakramentale Magie. Volkskulturen in Luzern 1563-1614. Basel 2005.

23. November 2008

zehn jungfrauen

Abgelegt unter: kirchen, koepfe — Schlagwörter:, — sanju @ 10:22


Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen war gerade in der Gothik ein beliebtes Bildsujet. Die biblische Geschichte war im Mittelalter sehr populär und wurde recht häufig zur Gestaltung von Kirchenportalen verwendet (so etwa in den Münstern von Strassburg, Freiburg, Basel und Bern). Bei meinem gestrigen Besuch im Landesmuseum in Zürich habe ich eine weiterer Darstellung des Gleichnisses entdeckt. Elisabath Häberlin begann im Jahre 1617 ihr Tischtuch mit der Geschichte der zehn Jungfrauen zu besticken. Im gleichen Jahr beendigte sie -wie sie es ebenfalls mit Faden und Nadel ausführt- ihre Arbeit.
Das Thema der zehn Jungfrauen hat mich in letzter Zeit vermehrt beschäftigt, ist doch vor kaum drei Wochen ein zehntes Mädchen in unserer Familie aufgetaucht. Lovis ist vorerst die jüngste unter den drei anderen Grosskinder Joan, Georgina und Emilie. Ich nehme nicht an, dass sie die letzte in dieser Mädchenreihe sein wird.

(Das Bild des bestickten Tischtuches ist trotz des Fotografier-Verbotes erstellt worden. Vielleicht ist das der Grund, dass es so verwackelt und unscharf wurde? Das Bild vom Baslerportal ist Wikipedia entnommen und ist entsprechend scharf.)

10. November 2008

A cada bacorinho vem seu S. Martinho

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Für jedes Schwein kommt einmal sein Martinitag, so lautet ein portugiesisches Sprichwort. Ein anderes Sprichwort lautet: No dia de S. Martinho mata o teu porco e prova o teu vinho. Am Sankt Martinitag schlachte dein Schwein und probiere deinen Wein. Zeitverzögert wird unser Jassclub etwas ähnliches machen. Am 14. November werden wir aufs Michelskreuz wandern, den Hunger mit einer Schlachtplatte stillen und anschliessend einen Jass klopfen. Wir werden uns an das gut schweizerische Sprichwort halten: Nach Martini schlag den Bauch mit Würsten voll und treib es dann beim Jassen toll.

(Die Fotographie “La matanza” stammt von Michael Bry, veröffentlicht bei Ediciones asangre, Sevilla)

1. Oktober 2008

am vorabend vor sankt leodegar

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Vom Nachbarsgrundstück aus leuchten die Blätter zu uns herein, selbst wenn die Sonne nicht so herbstlich warm scheint wie heute am Vorabend des Luzerner Stadtheiligen Sankt Leodegar.

15. August 2008

wiborada(weiberrat): die bücher zuerst

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Warum Laurentius als Bibliotheksheiliger gilt, ist nicht klar ersichtlich. Anders ist das bei Wiborada, der Heiligen aus St. Gallen. Sie gilt als Patronin der Pfarrhaushälterinnen, der Köchinnen und eben der Bibliotheken und Bücherfreunde. Laut Legende hatte sie den Ungarneinfall von 926 vorausgesehen und den St. Galler Mönchen geraten, sich und ihren Besitz rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. “Die Bücher zuerst” soll sie den Mönchen zugerufen haben. Tatsächlich konnte so die Klosterbibliothek vor den Hunnen gerettet werden. Wiborada hatte sich selber geweigert, ihre Klause in St. Mangen zu verlassen. Sie hatte sich dort vor zehn Jahren lebenslänglich einmauern lassen. Die Hunnen stiegen über das Dach in die Klause ein, entkleideten Wiborada und ermordeten sie mit der Streitaxt. Buch und Streitaxt sind denn auch die Attribute, an denen die Heilige erkennbar.
Bald nach ihrem Tode setzte setzte die Verehrung der ungewöhnlichen Frau ein. Bereits 970 wurde eine erste Heiligenvita verfasst. 1047 wurde Wiborada in Rom als erste Frau, als Jungfrau und Märtyrin, heilig gesprochen. Um 1075 entstand im Kloster St. Gallen eine weitere Vita, in der sie in einer Reihe mit Gallus und Otmar aufgeführt wurde. Im 15. Jahrhundert wurde die Heiligengeschichte erstmals verdeutscht. Um 1450 verfasste der St. Galler Conrad Sailer ein Legendar fur die Beginengemeinschaft von St. Georgen. Aus dieser Schrift sind die Abbildungen auf dieser Seite entnommen.

(Weiterführende Literatur im Ausstellungskatalog “Frauen im Galluskloster“, St. Gallen 2006)

Für St. Galler: Am Mittwoch 22. Oktober 18.15 Uhr findet ein Führung statt “Wiborada: Inklusin, Visionärin, Beraterin, Märtyrerin”. Treff bei den Türmen der Kathedrale. 1½ Std. Stadtwanderung bis St. Mangen

7. August 2008

10. august: san lorenzo

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Laurentius, Lorenz, Lars, Lasse, Laurent, Lawrence, Lourenço, Lorenzo ist als Heiliger leicht an seinem Attribut, dem Grillrost, erkennbar. Der heilige Laurentius soll der Legende nach in dritten Jahrhundert vom Kaiser Valerian auf einem glühenden Rost zu Tode gemartert worden sein. Sein Tag ist der 10. August. An diesem Tag im Jahr 955 schlug Otto I. die Ungarn bei der Schlacht auf dem Lechfeld. Seit dieser Zeit fand Laurentius auch im nördlichen Europa grosse Verehrung. In der Laurentiusnacht, in der notte di san Lorenzo, mitten im Hochsommer, kann man oft besonders viele Sternschnuppen beobachten. Es sind die Perseiden, die Laurentiustränen, die lacrime di san Lorenzo. Wir hoffen, dass wir sie dieses Jahr im Calancatal auf der alpe die Piöv beobachten können.
Laurentius ist unter anderem Schutzpatron der Köhler, Bäcker und Köche und Glasbläser; angerufen wird er bei Verbrennungen, Fieber, Hexenschuß und Feuersgefahr.

4. August 2008

hirschen in schwellbrunn, tränen in st.gallen

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Am 1. bis d3. August fand beim Restaurant Hirschen in Schwellbrunn ein kleines OpenAir unter dem Namen spontanz statt. Remo, einer der Organisatoren hatte uns persönlich dazu eingeladen. Remo hatten wir vor mehr als zwanzig Jahren in der Toskana kennen gelernt. Er lebte damals zusammen mit seinen Geschwistern und seinen Aussteiger-Eltern aus Winterthur auf einem Hof in der Nähe von Siena. Später ist die Familie in die Ostschweiz zurückgekehrt. Wir hatten den Kontakt nie ganz verloren und fanden das eine gute Gelegenheit, die Leute im Rahmen dieses kleinen Festivals wieder einmal zu treffen. Erstaunlich war es, dass heute, nach mehr als zwanzig Jahren, die jungen Leute auf der Bühne fast noch die gleiche Musik spielten, wie wir sie schon damals anhörten.

Der Sonntag war im Festivalprogramm als usplemperttä angezeigt. Nach dem Frühstück im Grünen benützen wir die Gelegenheit, einen Ausflug nach St.Gallen zu unternehmen. Wir wollten unbedingt die Stiftsbibliothek besuchen, wo die aktuelle Ausstellung von Laura und Yves mitgestaltet wurde. Zuvor jedoch assen wir vor historischer Kulisse, im Restaurant gastronomique Am Gallusplatz, ein vorzügliches Mittagessen.
Nach der Bibliothek besuchten wir noch die barocke Kathetrale. Auch sie wirkt leicht überladen. Mir ist besonders eine Pieta aufgefallen. Sie steht etwas versteckt hinter der Kanzel: eindrücklich die Farben der trauernden Maria und des blutenden Jesus.

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