san ju

27. Juli 2009

sélestat: praeter me nemo

Filed under: kirchen,koepfe,orte — Schlagwörter: , , — sanju @ 10:23

praeter me nemo

Um von Obernai nach Basel zu gelangen, benützt man am besten den Regionalzug nach Sélestat. Ein Zwischenhalt in Schlettstatt lohnt sich jedenfalls. Sehenswert sind sicher die romanische Kirche St. Foy und die gotische Kirche St. Georges. Daneben ist Sélestat natürlich bekannt wegen seiner Bibliothèque Humaniste, einer Sammlung von Büchern, welche aus der Bibliothek der Latein-Schule von Schlettstadt und der Privatbibliothek von Beatus Rhenanus hervorgegangen ist. In dieser Bibliothek bin ich doch noch auf eine Spur von Thomas Murner gestossen. In einer Vitrine ist eine Schrift ausgestellt, auf deren Titelblatt Jakob Wimpfeling sich mit einer Schar von Freunden und Schülern Thomas Murner entgegen stellt. Murner ist an der Banderole mit der Aufschrift „preter me nemo“, keiner ausser mir, erkennbar. Er hatte 1502 gewagt, eine Schrift des hochangesehenen Schlettstädter Humanisten Wimpfeling anzugreifen. Wimpfeling hatte in einer Schrift mit dem Namen „Germania“ zu begründen versucht, wieso das Elsass deutsch sei; Murner hatte mit einer Gegenschrift „Germania nova“ mit ebenso unzulänglichen Argumenten die französische Herkunft nachgewiesen. Eine Auseinandersetzung bahnte sich an, in deren Folge die Verbreitung der murnerischen Schrift verboten wurde, Murner seine Reputation als Humanist verlor und er zusätzlich mit dem Spottnamen Murnar (Murr-Narr) versehen wurde, ein Name der ihm zeitlebens geblieben ist.

st foy

Bild oben: Ausschnitt aus der Schrift: Defensio Germaniae Jacobi Wympfelingii. Freiburg i. Br. 1502 (aufgenommen durch die Glasscheibe der Vitrine).
Bild unten: Kirche Sainte-Foy (Sankt-Fides) in Sélestat aus dem 12. Jahrhundert (bei einsetzendem Regen).

25. Juli 2009

luzern obernai luzern

Filed under: orte,worte — Schlagwörter: , — sanju @ 06:55

murner strasse
Vor bald 500 Jahren, im Jahr 1525, machte sich der Franziskaner Thomas Murner von Obernai auf, um in Luzern Zuflucht zu finden. Die Stadt Obernai, deutsch Oberehnheim, im Elsass war damals von aufständischen Bauern belagert und die forderten die Auslieferung Murners. Dieser hatte schon kurz zuvor Strassburg verlassen müssen, als wütende Anhänger der Reformation die Druckerei des dezidierten Luthergegners zerstört hatten. Wieso Murner gerade Luzern als seinen Zufluchtsort wählte, ist nicht bekannt. Er kehrte nach kaum vier Jahren wieder in seinen Geburtsort Obernai zurück, wo er 1537 verstarb.
Im lokalen Verkehrsbüro erkundigte ich mich nach Spuren von Murner. Ausser einem kurzen Eintrag im Touristen-Prospekt erinnere nur noch ein Strassenname an den berühmten Obernaier. In der kommunalen Bibliothek jedoch fand ich keinen einzigen Hinweis, kein Buch, zu Murner.

Beim Stadtrundgang sah ich dann doch noch einen Zusammenhang zwischen Luzern und Obernai: in beiden Städte steht ein Kapellturm.

kapellturm

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