san ju

30. Juni 2010

der geist am berg

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Im Literaturclub des Schweizer Fernsehens vom 29. Juni wurde das neue Buch von Tim Krohn und Laura Jurt vorgestellt. Nun ist es auch im Buchhandel erhältlich. Wir sind natürlich gespannt auf die Bilder von Laura.

Einen Kommentar haben wir schon aufgeschnappt:
»Das ist äusserst schöne knappe Prosa, sehr dicht geschrieben, mit tollen Bildern.«
Carlo Bernasconi, Schweizer Buchhandel

29. Juni 2010

zahnprobleme?

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Werbung für Zahntechniker, Zahnärzte, Zahnmechaniker, Zahn-Prothesisten, Dentisten mit und ohne Diplom und für das Zahnlabor von Madame Ben Jelloun. Marokko Juni 2010.

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2. Juni 2010

afrika beginnt in marrakesch

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Die Kamele sind gesattelt. Aufbruch am 2. Juni. Destination Marrakesch.

17. Mai 2010

spargeln in opfingen

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Am Samstag den 15. Mai wurde auf der Frontseite der FAZ eine beängstigende Frage gestellt: Folgt nach der Vulkanasche und der Eurokrise nun auch noch der Spargelnotstand? Mit der Flugaufnahme eines regennassen Spargelfeldes wurde untermauert, dass Spargel und Erdbeeren in Südhessen sehr unter der kühlen Temperatur zu leiden hätten.
Auch der lokale Spargelbauer auf dem Luzerner Markt beklagte sich über die magere Ernte des Edelgemüses.

Es blieb uns so nichts anderes übrig, als die Situation auf unseren Referenzbetrieb in Südbaden zu überprüfen. Zu acht machten wir uns auf ans Spargel- und Weinfest von Opfingen (Freiburg im Breisgau). Schon der Sonnenschein, der uns bei der Ankunft erwartete, war ein echter Lichtblick nach dem tristen Wetter in der Innerschweiz. Das Spargelfest liess dann keine Wünsche offen. Die Spargelbäuerinnen beklagten sich wohl über die Ernteeinbusse von fast einem Drittel, sie sassen jedoch wie immer wohlgelaunt und gesprächig beim Rüsten zusammen im Spargelzelt.

Die Spargel selber schienen dieses Jahr etwas schmäler zu sein als auch schon. Die Spargelsuppe, der Spargelsalat und der Spargeteller mit Schinken und Kartoffeln schmeckten dann aber ausgezeichnet wie eh und je. Nicht das geringste einer Spargelkrise war auszumachen.

21. April 2010

verdunkelter himmel und schöpferischer geist

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Von William Turner wird gesagt, er sei durch die Sonnenaufgangs- und Sonnenuntergangsstimmungen der Jahre 1816/1817 in seiner Malweise wesentlich beeinflusst worden. In diesen Jahren seien die Lichtverhältnisse durch die in der Atmosphäre schwebende Vulkanasche aus Indonesien eigentümlich getrübt gewesen. Die Explosion des Tambora als Quelle der künstlerischen Imagination?

Am Genfersee soll die Vulkanasche, beziehungsweise die daraus resultierende Klimaverschlechterung, ebenfalls Einfluss auf das kreative Verhalten einiger Engländer ausgeübt haben. Lord Byron, der sich im Frühjahr 1816 in Cologny bei Genf eine Villa gemietet hatte, verfasste, angeregt durch die atmosphärisch finstere Stimmung über dem See, sein berühmtes Gedicht Darkness. Da Byron wegen des anhaltend nasskalten Wetters nur beschränkt Ausflüge machen konnte, kam er zusammen mit dem ebenfalls anwesenden englische Schriftsteller Percy Shelley und dessen Geliebte Mary überein, sich gegenseitig Gruselgeschichten zu erzählen. Eine der erzählten Geschichten wurde die Grundlage von Mary Shelleys Roman Frankenstein oder Der moderne Prometheus, der 1818 das erste Mal erschien. Der Tambora als Quelle literarischer Inspiration?

Man mag einiges dem Vulkanausbruch in Indonesien zuschreiben, vieles bleibt reine Spekulation. Byron war schon vor der Eruption für seine oft melancholische Schreibweise bekannt. Die Traurigkeit seiner im Sommer 1816 entstanden Gedichte sind wohl eher seiner tiefen Depression als dem Wetter zuzuschreiben. Ob die berühmten Bilder Turners mit dem diffusen Licht tatsächlich auf seine Eindrücke im Vulkansommer 1816 zurückzuführen sind, bleibt mehr als umstritten. Eher scheint er durch seine neuen Erfahrungen des mediterranen Lichtes geprägt worden zu sein. Beide, Turner und Byron werden kaum etwas vom Ausbruch des Tamboras mitbekommen haben. Ein Zusammenhang zwischen der Vulkanwolke und der Klimaverschlechterung wurde erst um 1920 festgestellt. Ein anderes Ereignis aus dem Jahr 1815 war für beide viel wichtiger, die Niederlage Napoleons. Sie hatte für die die Engländer erhebliche Auswirkungen, weil nun endlich die Kolonialsperre aufgehoben wurde und sie wieder frei reisen konnte.
Lord Byron verliess England im Frühjahr 1816, besuchte zuerst das Schlachtfeld von Waterloo und reiste anschliessend nach Genf, um dort wie andere Engländer auch, den Sommer zu verbringen. Turner reiste 1817 auf den Spuren von Turner ebenfalls nach Waterloo und anschliessend dem Rhein entlang. Im Jahr 1819 konnte er endlich seine lang verhinderte erste Italienreise antreten. Sie führte ihn über Mailand, Venedig und Rom nach Neapel, wo er einen Ausbruch des Vesuv erlebte. Mit circa 1500 Skizzen und einem neuen Lichtkonzept kehrte er im Februar 1820 nach London zurück. Byron verliess die Schweiz bereits im Herbst 1816 und zog weiter nach Italien. Von Ravenna aus schrieb er 1821 in einem Brief nach England:
Die Schweiz ist ein verdammt selbstsüchtiges Sauland von Tölpeln, das in der romantischsten Gegend der Welt liegt. Ich konnte ihre Einwohner nie ausstehen…
Es war also nicht nur das Wetter, das Byron zum Verlassen der Schweiz bewog.

Vgl:
- Inge Herold: Turner auf Reisen. München 1997.
- Hans-Ulrich Mielsch: Sommer 1816. Lord Byron und die Shelleys am Genfer See. Zürich 1998.

Das Bild von der blauen Rigi malte Willilam Turner 1842, als er sich anlässlich einer Schweizerreise für einige Wochen in Luzern aufhielt.

18. April 2010

vulkanwolke über der schweiz

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Vor bald zweihundert Jahren, am 5. April 1815, kam es auf einer Insel im fernen Indonesien zu einem gewaltigen Vulkanausbruch. Fünf Tage später explodierte dann der Vulkan Tambora mit solcher Gewalt, dass das Donnern in 2000 km Entfernung zu hören war. Die Eruption schleuderte eine Unmenge von vulkanischem Material in die Lüfte. Der Vulkanausbruch wirkte sich verheerend aus für die lokale Bevölkerung. Es sollen mehr als 70′000 Menschen im Aschenregen ihr Leben verloren haben. Ein grosser Teil der Vulkanwolke breitete sich in der Atmosphäre aus und hatte weltweite Auswirkungen für das Klima, Auswirkungen, die bis nach Luzern zu spüren waren.
Die Nachwirkungen der Vulkanexplosion machten sich auf der ganzen nördlichen Erdhalbkugel mit einer spürbaren Abkühlung bemerkbar. Das Jahr 1816 ging als das “Jahr ohne Sommer” in die Klimageschichte ein. Betroffen waren vor allen der Nordosten Amerikas sowie Westeuropa, besonders der süddeutsche Raum, Vorarlberg,
Tirol und die Schweiz. Nach einem späten Frühling folgte ein kurzer Sommer und ein früher Winter. Es kam zu erheblichen Ernteausfällen. Die Folgen waren eine Verknappung der Lebensmittel und ein enormer Preisanstieg für das Getreide. Die Krise von 1816 weitete sich im folgenden Jahr in gewissen Teilen der Schweiz zu einer eigentlichen Katastrophe aus. In der Ostschweiz sollen 1817 an die 5000 Personen an den Folgen der Hungersnot gestorben sein.

Auch Luzern und die Innerschweiz waren von der Klimaveränderung stark betroffen. Der Sommer 1816 war so kalt und niederschlagreich, dass die Getreideernte auf ein Drittel des Normalertrages zurückging. Älpler mussten ihr Vieh wegen Schneefalls immer wieder ins Tal fahren. Die Kartoffelernte fiel wegen des nassen Wetters äusserst gering aus. Die Ernteausfälle hatten eine massive Teuerung zur Folge. Die Getreidepreise stiegen unaufhaltsam. Gemessen am Vorjahr erhöhte sich der Preis für Weizen und Brot am Luzerner Markt an die 400 Prozent.
Hauptbetroffen von der Ernährungskrise war die ärmere Bevölkerung, für die Brot und Kartoffeln schon bald unerschwinglich wurde. Der Amtmann vom Entlebuch meldete nach Luzern, dass manche Familien sich nur noch von Ziegenmilch ernährten. Vom Amt Willisau trafen Berichte ein, dass sich einige Leute nur noch mit Kräutern und Buchenlaub am Leben hielten. In der Stadt Luzern wurde von privater Seite eine Suppenanstalt eingerichtet, um die Not der ärmeren Bevölkerung etwas zu mildern. Trotz gewisser Hilfsmassnahmen stieg die Sterbequote in Luzern erheblich. Ein Nebenfolge war der Anstieg der Kriminalität. Vor allem Anklagen wegen Diebstahls häuften sich. Im Sommer 1817 waren die Gefängnisse von Luzern so überfüllt, dass von Seuchengefahr die Rede war.
Die Massnahmen der Obrigkeit, um die Not der Bevölkerung zu lindern, blieben bescheiden. Verbrechensbekämpfung war wichtiger als Massnahmen zur Linderung der Hungersnot. Im April 1817 beschloss die Luzerner Regierung immerhin, in Norditalien und Südfrankreich Getreide und Reis einzukaufen. Die Lieferungen trafen jedoch erst ein, als bereits ein Ende der Hungerkrise absehbar war.

Literatur:
- Heidi Bossard-Borner: Im Banne der Revolution. Luzern 1998. S. 323-333.
- Louis Specker: Die grosse Heimsuchung. Das Hungersjahr 1816/17 in der Ostschweiz. St. Gallen 1993/1995.
- Charles R. Harington: The Year Without a Summer? World Climate in 1816. Ottawa 1992.

Das Bild der Ostschweizer Künstlerin Anna Barbara Giezendanner (1831-1905) stellt hungernde Menschen dar, die gemeinsam mit dem Vieh am Grasen sind.

16. April 2010

teodoro reding in malaga

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Nun marschieren sie wieder, die Truppe von Teodoro Reding. In diesem Frühjahr haben die Hobbysoldaten Hochbetrieb. Im Rahmen der Zweihundertjahr-Feiern zur Erinnerung an den Spanischen Unabhängigkeitskrieg (Conmemoración y Recreación Histórica del Bicentenario de la Guerra de la Independencia en Málaga) tritt die nach dem Schweizer (Schwyzer) Söldnerführer Theodor Reding von Biberegg benannten Truppe an verschiedenen Orten auf, um in historischen Uniformen und mit Waffenlärm die Feiern zu untermalen. Theodor von Reding war allerdings zum fraglichen Zeitpunkt, als Malaga 1810 sich gegen die napoleonische Herrschaft auflehnte, bereits seit einem Jahr tot. Er starb 1809 in Tarragona an den Folgen einer Verletzung, die er während eines Gefechts gegen die Franzosen erlitten hatte. In Malaga wurde bereits letztes Jahr zu Ehren von Reding auf der Plaza de la Constitución eine Gedenktafel angebracht. Als lebende Erinnerung tingelt nun schon eine Weile das Regimiento Suizo de Reding durch die befreiten Städte, bietet ihren Spektakel an und stellt Filmausschnitte auf Youtube. Die Erinnerungsfeiern werden wohl noch einige Jahre andauern. Der Unabhängigkeitskrieg dauerte ja von 1808 bis 1814.

Die Agenda der nächsten Auftritte ist der Homepage der Asociación Histórico – Cultural Teodoro Reding zu entnehmen.

24. März 2010

die vigil von maria verkündigung

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Natürlich war der Festkalender der katholischen Kirche in früheren Jahren viel umfangreicher als heute. Selbst in der katholischen Innerschweiz sind die meisten Feiertage zwischen Weihnachten und Ostern aus dem öffentlichen Kalender verschwunden. Nicht einmal mehr der der Drei-Königstag vom Januar, die Lichtmesse vom Februar oder der Seppitag vom März sind als Feier- und Freitage geblieben. Nicht zu sprechen vom 25. März, dem Tag von Maria Verkündigung, früher auch Maria im Fasten genannt. Die Annuntiation von Maria ist schon länger aus dem öffentlichen Bewusstsein entschwunden, dabei war dieser Tag früher einmal in gewissen Gebieten so etwas wie das katholische Neujahrsfest. Im Mittelalter wurde der Jahresbeginn nach verschiedenen Arten festgelegt: Es gab den Weihnachststil mit Jahresbeginn am 25. Dezember, den Circumcisionsstil mit Beginn am 1. Januar und eben den Annuntiationsstil mit Beginn am 25. März, dem Tag der “Fleischwerdung” Jesu.

Selbstverständlich wurde dieser Festtag in füheren Jahren auch in Luzern begannen. Der eigentliche grosse Festtag fand jedoch bereits einen Tag zuvor statt, am 24. März. Auf diesen Tag waren die Einwohner der Stadt Luzern, die Priester aus den umliegenden Gemeinden und Gäste aus der ganzen Eidgenossenschaft dazu eingeladen, am Museggumgang teilzunehmen. In einer feierlichen Prozession wurde die Stadt umschritten. Der Zug startete in der Hofkiche, überquerte die Reuss und führte den Mauern der Kleinstadt entlang bis ins Sentiquartier. Auf der Höhe des Nölliturms wurde die Reuss erneut überquert, um auf die Musegghöhe zu gelangen. Dort wurden die Ablassbullen verlesen und anschliessend eine Predigt gehalten. Um die Attraktivität des Museggumgangs noch zu steigern, wurden im Anschluss an die Prozession ausgewählte Teilnehmer mit Fisch und Wein verpflegt. Die Romfahrt, wie die Prozession auch genannt wurde, verlor im 20. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung. Heute ist der Anlass gänzlich aus dem Festkalender verschwunden.

Vgl. Peter X. Weber: Die Musegg zu Luzern. In: Der Geschichtsfreund, Jg. 94 1939, S. 1–36.

7. Februar 2010

löcher in der museggmauer

Abgelegt unter: orte — Schlagwörter:, — sanju @ 14:17

Lastwagen haben ihre Spuren hinterlassen im Tor der Museggmauer bei der Museggstrasse. Mit so hohen Fahrzeugen hatten die Strassenplaner des 19. Jahrhunderts nicht gerechnet. Es waren jedoch nicht die Camions, die die Stabilität der Museggmauer gefährdet haben, sondern ein Wasserrohrbruch. Der Durchgang wird nun vorübergehend geschlossen, bis die Mauer mit Betonpfeiler stabilisiert ist. Eine direkte Einsturzgefahr bestehe nicht. Die eigentliche Ursache der Instabilität sind wohl die Löcher selber. Es sind vielleicht noch von den kleinsten Löchern, die dem Stadtbild von Luzern in den letzten zwei Jahrhunderten beigefügt wurden. Die Stadt Luzern hatte sich seit der Befestigung im Mittelalter kaum verändert. Im Bereich der nordwestlichen Museggmauer befanden sich noch um 1790 lauschige Wiesen.

Im Rahmen der Stadterweiterung im 19. Jahrhundert wurde die Stadt auf der südlichen Seite weitgehend entfestigt. Die Hofbrücke wurde abgerissen, ein Grossteil der Mauern, Türme und Tore wurde abgetragen (Baslertor, Weggistor, Burgertor, Bruchtor…) und die Schanzengräben zugeschüttet.Auch für die Schleissung der Museggmauern bestanden Pläne. Der Stadtrat erkannte bei diesem Bauwerk den malerischen (und touristischen) Wert. So wurde 1876, als die Museggstrasse gebaut wurde, die Mauer nicht abgerissen sondern mit drei Löchern durchstossen. Wohl um dem neuen Tor einen mittelalterlichen Anstrich zu geben, wurde auf der Aussenseite der Durchbruches ein in Stein gehauenes Dreipasswappen der Stadt Luzern angebracht.

Zwei wilde keulenschwingende Männer halten je ein Luzerner Wappen. Auf der Wappenpyramide steht ein Schild mit einem Doppeladler. Dies ist nicht eine Referenz an das Emblem Albaniens und des Kosovos, sondern an das (deutsche) Reich. Die Darstellung des zweiköpfigen Adlers wurde im späten Mittelalter gerne über Toren öffentlicher Gebäude angebracht, um die Reichsfreiheit (direkt dem König oder Kaiser unterstellt)  zu markieren. Die wilden Männer, ein auch in der Luzerner Fastnacht verankerte Gestalt, symbolisieren den Drang nach Freiheit wie auch die Unterdrückung durch Gewalt.

Zur Entfestigung der Stadt Luzern vgl. den Aufsatz von Edgar Rüesch in: Luzern 1178-1978. Beiträge zur Geschichte der Stadt. Luzern 1978.

23. Januar 2010

revolutionsgericht: papet vaudois

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papet vaudois
Eroberer lassen nicht selten nach ihrer Vertreibung Geschenke zurück. Oft sind diese kulinarischer Art. Denken wir nur an die vielen Rezepte, die die osmanischen Eroberer auf dem Balkan bis nach Österreich hinterlassen haben. Was wäre die griechische Küche ohne Souflaki und Mousaka, die exjugosalwische ohne Burek und Cevapcici. Hier haben sich die von Invasoren hinterlassenen Rezepte zu Nationalgerichten entwickelt. Nicht anders verhält es sich in der Schweiz. Die alten Helvetier waren bis zur Eroberung durch die Römer in der Käseherstellung noch unbedarft. Erst die römischen Legionäre – oder allenfalls die lateinischsprachigen Mönche- gaben der verdickten Milch den Namen (lateinisch caseus = Käse). Wir Schweizer gaben der Welt (oder wenigsten den Franzosen) den Käse in der Form von Petit-suisses wieder weiter. Es ist also nicht nur so, dass besetzte Länder fremde Rezepte annehmen; oft läuft der Rezeptaustausch auch umgekehrt. In Frankreich hat sich das nordafrikanische Couscous zu einem Nationalgericht entwickelt wie in Grossbritannien das Chicken tikka masala.

Wie verhält es sich nun mit dem Papet vaudois? Ist es eine Adaption der Berner Platte oder ein nachrevolutionärer Export in die Resteidgenossenschaft? Tatsächlich soll im Waadtland der Tag der Révolution Vaudoise  (Befreiung von der Besetzung durch Bern am 24. Januar 1798) nicht nur mit dem waadländische Nationalgericht Papet vaudois (Potée vaudoise aux poireaux) sondern traditionsgemäss auch etwa mit einem choucroute garnie, also mit einer Bernerblatte, gefeiert werden.
mise en place

Mise en place

  • 2-3 Saucisses aux choux (Jean-Claude hatte sie aus seiner Waadtländer Heimat mitgebracht)
  • ca. 750 g Lauch (eventuell Bleichlauch)
  • 1 Esslöffel Fett (Öl)
  • 2-3 dl Bouillon
  • 1 dl Weisswein (und mindestens 1 Glasl für den Koch)
  • 4-6 Kartoffeln (eher weichkochende)
  • 1 Zwiebel
  • Pfeffer

lauch

Die fein geschnittene Zwiebel dünsten wir im heissen Öl an und fügen den geputzten, in ca. 4 cm grosse Stücke geschnittenen Lauch bei. Das Ganze löschen wir mit einem Glas Weisswein (natürlich aus dem Waadtland) und zwei Gläser Bouillon ab. Nach zehn Minuten fügen wir die in grobe Würfel geschnittenen Kartoffeln bei.

eintopf

Nach weiteren zehn Minuten werden die Würste obenauf gelegt und bei kleiner Hitze etwa eine halbe Stunde ziehen gelassen.

teller

Am Schluss wird das ganze noch mit Saltz und Pfeffer abgeschmeckt. Die Kartoffeln dürfen leicht verkocht sein, sodass die Flüssigkeit gebunden ist. Nachdem die Wurst nach dem ersten Einschneiden einen guten Teil des Saftes verspritzt hat, wird sie mit Genuss aus der Hülle gedrückt und mit dem Lauch-Kartoffelgericht und einem Glas Weisswein verspiesen.

Vive la révolution vaudoise! Vive le 24e janvier!

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