san ju

15. Mai 2009

indianer in luzern

Filed under: kirchen,koepfe,orte — Schlagwörter: , , — sanju @ 08:34

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Indianer haben Konjunktur. Dies nicht nur wegen des deutschen Finanzministers, der glaubt mit seiner Kavallerie die Schweizer Eingeborenen eingeschüchtert zu haben. Aktuell wird in den nationalen Medien auch des ältesten Luzerner Indianers gedacht. Zu Ehren des Vorort-Apachen Angy Burri wurde in Luzern zu dessen siebzigsten Geburtstag in der Kornschütte eigens eine Ausstellung eingerichtet.
Luzern und Indianer haben allerdings eine lange Tradition. Seit dem späten 17. Jahrhundert, seit 1667 die Jesuitenkirche fertig gestellt war, kniet ein bekehrter Indianer mit Federschmuck und Lendenschurz, ausgerüstet mit Pfeil und Köcher, zu Füssen des Fassadenheiligen Franz Xaver, der als neuer Stadtpatron beschützend auf Reuss und Altstadt blickt. Unlängst hat die Kunsthistorikerin Christine Göttler in einem Vortrag zur Jesuitischen Kultur in Luzern (Die Kunst der Konversion. Antwerpen, die Jesuiten und die neue Welt) auf diese Statue hingewiesen. Erwähnt hat sie dabei auch die Tatsache, dass Franz Xaver wohl von Indien bis nach China missionierte, dass er jedoch nie einen leibhaftigen Indianer zu Gesicht bekommen hatte. Dass die Jesuiten es nicht nur als ihre Aufgabe anschauten, in Übersee Seelen zu fischen, sondern auch die einheimischen Indianer missionieren wollten, auf das weisst der Historiker Dominik Sieber hin. Er bietet zur Zeit an der Universität Zürich ein Seminar an mit dem Titel: „Eigene Indianer. Barocke Volkskulturen in Luzern und der Innerschweiz“.

Christine Göttler: Novissima: Art and Religious Practice in the Age of Reform (Veröffentlichung demnächst).
Dominik Sieber: Jesuitische Missionierung, priesterliche Liebe, sakramentale Magie. Volkskulturen in Luzern 1563-1614. Basel 2005.

3 Comments »

  1. […] offenbaren. Dazu gehören eine Velofahrt zum Wallfahrtsort Werthenstein, der Hinweis auf Indianerskulpturen an der Jesuitenkirche und ihre Bedeutung oder die Entdeckung des Reisetagebuchs eines Luzerner […]

    Pingback by weblog.histnet.ch » Blog Archive » san ju – Geschichtsblog des Monats Juli 2009 — 1. September 2009 @ 10:15

  2. Auf einen Luzerner Jesuiten-Zögling, der im Gegensatz zu Franz Xaver sein halbes Leben mit den Indigenas von Missiones zubrachte, möchte ich gerne in diesem Zusammenhang noch hinweisen: Martin Schmid (1694-1772). Er hat nicht nur einer der Missionen (im heutigen Bolivien) vorgestanden (2 Jesuiten auf mehrere Tausende von Menschen), sondern dort im Amazonas-Tiefland als Universalgenie gewirkt. Schmid verfasste eine Grammatik in Chiquitano, baute Urwaldkirchen (heute Unesco-Kulturerbe), komponierte ein Oratorium, predigte so lebhaft, dass die Messebesucher so mächtig ergriffen waren, dass «gewöhnlich von den Thränen der Büssenden der Boden der Kirche benetzet ward». So schrieb er es seiner Mutter nach Baar und offenbarte auch, dass er kein Griesgram war, sondern «ein frohes, und sogar ein freudenvolles Leben führe: Kurz! dass ich singe, psalmiere, spiele, ja sogar tanze, und vor Vergnügen aufhüpfe.» Gestorben ist er in Luzern nach der Aufhebung der Jesuiten-Missionen.

    Delf Bucher

    Kommentar by Delf Bucher — 11. September 2009 @ 09:57

  3. […] Söldner ein Denkmal errichtet worden sei, nicht jedoch den Reisläufern Gottes, die von Luzern aus nach beiden “Indien” aufgebrochen waren, um die Welt geistig zu erobern. Mit seiner Schrift, die sich in erster Linie […]

    Pingback by ein reisläufer gottes « san ju — 17. September 2009 @ 18:57

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