san ju

17. März 2009

john milton in luzern

Filed under: koepfe,worte — Schlagwörter: , , , — sanju @ 17:42

fürst und volk
Erst kürzlich, im Dezember 2008, hat sich der Geburtstag von John Milton (1608-1674) zum 400. Mal gejährt. Der englische Dichter und Philosoph wurde breit gewürdigt. Eines seiner Hauptwerke, „Das verlorene Paradies“, wurde zum Gedenkjahr neu übersetzt und herausgegeben. Milton wurde gefeiert wegen seinem lebenslangen Kampf für die Freiheit und die Rechte des Volkes

Ein anderes Werk Miltons, die „Defensio pro populo anglicano“, wurde 1821 vom damaligen Philosophielehrer am Luzerner Gymnysium, von dem aus Beromünster stammenden Ignaz Paul Vital Troxler, zusammen mit einer Schrift des Schottischen Humanisten Buchanan unter dem Titel „Fürst und Volk“ ins Deutsche übersetzt und publiziert. Die Schrift fand im In- und Ausland viel Beachtung. Die erste Auflage von über tausend Stück war bereits nach vier Wochen ausverkauft.

In Luzern wurde der Verkauf allerdings bereits nach zwei Wochen untersagt. Die „Schmähschrift“ wurde im Rat verurteilt, da sie zum Königsmord aufrufe, die Schweiz im Ausland kompromittiere und Ruhe und Ordnung im Kanton gefährde. Ein Verbot der Schrift war der Luzerner Regierung jedoch zu wenig. In einer Extrasitzung des Kleinen Rates wurde die fristlose Entlassung Troxlers verfügt. Alle Einwände Troxlers und die Bittschriften seiner Schüler und liberalen Freunde halfen nichts. Die Regierung kam nicht mehr auf ihren Beschluss zurück. Im Gegenteil wurde später auch sein Ruf an die Universität Freiburg im Breisgau hintertrieben. Troxler sei der gefährlichste Schriftsteller der Schweiz.

Troxler fand einmal mehr im Aargau bei seinen politischen Freunden Aufnahme und Zuflucht. Von 1834-1853 lehrte er dann Philosophie an der Universität in Bern. Heute gilt er als einer der wesentlichen Vorkämpfer und Mitgestalter der Bundesverfassung von 1848.

Das Buch „Fürst und Volk nach Buchanan’s und Milton’s Lehre“ (2. Auflage, Aarau 1821)  und die „Nachschrift zu Dr.Troxlers „Fürst und Volk“. Tatsächliche Darstellung der Schicksale dieses Buches und seines Verfassers unter Schweizer Regenten mit interessanten Belegen“ (Stuttgart 1822) sind online greifbar.

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