san ju

16. Januar 2009

gefangen in luzern

Filed under: koepfe — Schlagwörter: , , — sanju @ 12:18

Felix Hemmerlin
Die Bienen, die um seinen Kopf schwirren, sind ein Zeichen für Weisheit und Fleiss. Sie weisen auf seine Kenntnisse in Jurisprudenz hin. Auf dem Kopf trägt er die Mütze des Gelehrten. Das Buch unter dem Arm ist ebenfalls ein Symbol für Gelehrsamkeit. Der Hammer in seiner Linken weisst jedoch auf seinen Namen hin: Malleolus, Felix Hemmerlin. Um 1388/89 war er in Zürich geboren. Das Rechtsstudium absolvierte er in Erfurt und Bologna. Zurück in der Schweiz empfing er die Priesterweihe und betätigte sich als Rechtsgelehrter vorwiegend in kirchlichen Angelegenheiten. Er setzte sich für Reformen im Klerus ein und seine spitze Feder war schon bald gefürchtet. So sehr gefürchtet, dass einige Geistliche aus Zürich einen Mordanschlag auf ihn verübten. Nur knapp entging Hemmerlin dem Tode.
Während des alten Zürichkrieges war er vermehrt politisch tätig. Er stellte sich auf die Seite der Österreicher und des Adels und verfasste eine scharfe Spottschrift gegen die Eidgenossen. Es seien Bauern mit bergartig gekrümmtem und gebuckeltem Rücken, mit schmutzigem, verzogenem Antlitz, tölpisch dreinschauend wie Esel, die Stirn von Runzeln durchfurcht, mit struppigem Bart, graubuschigem, verfilztem Haar, Triefaugen unter den borstigen Brauen; der Leib sei unförmig, rauh, grindig und dicht behaart. So treten sie dem Adel (und den Zürchern) entgegen. Der Krieg war tatsächlich grausam und der Frieden wurde ausführlich gefeiert. Die Angriffe Hemmerlins waren jedoch nicht vergessen.
An der (Versöhnungs-)Fastnacht von 1454, an die auch die Innerschweizer nach Zürich geladen waren, kam es zu Unruhen. Hemmerlin wurde verhaftet und nach Konstanz überführt. Mehr als zehn Monate verbrachte er in den Verliessen des Bischofs. Ungehorsam gegen die Kirchenobern wurde ihm vorgeworfen. Das Urteil lautete auf Enthebung der geistlichen Ämtern und auf lebenslänglichen Klostergewahrsam.
Ausgerechnet in die von ihm so geschmähte Gebiete und ausgerechnet in einem von ihm so angegriffenen Orden wurde er verbannt: in das Franziskanerkloster von Luzern. In Luzern wurde er allerdings vorerst noch etwa zwei Monate eingetürmt, bevor ihm sein Platz im Kloster zugeteilt wurde. Die Franziskaner hielten ihn anschliessend in erträglicher Haft, so dass er weiterhin schriftstellerisch tätig sein konnte, wenngleich er auf seine grosse Bibliothek verzichten musste. Hemmerlin starb vermutlich um 1459 wohl im Kloster von Luzern.

(Literaturangaben zu Felix Hemmerlin in: Die deutsche Literatur des Mittelalters: Verfasserlexikon Bd. 3, 1981, Spalte 989-1001)

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