san ju

22. Oktober 2008

der nobelpreisträger

Filed under: koepfe,worte — Schlagwörter: , — sanju @ 23:55


Eine nervöse Hektik herrschte im Eingangsbereich des ehemaligen Hotel Union in Luzern. Die Universität hatte zu einer Begegnung mit dem Nobelpreisträger Ohran Pamuk eingeladen. Nur wer auf der Gästeliste stand, durfte den inneren Bereich betreten. Taschen und Jacken mussten an einer improvisierten Garderobe abgegeben werden. Männer in Podyguardpose und uniformiertes Sicherheitspersonal standen im Treppenhaus und in den Gängen. Bevor man den eigentlichen Vortragssaal betreten durfte, musste man eine Leibesvisitation mit einen elektronischen Detektor über sich ergehen lassen. Erst nach halbstündiger Verzögerung trat der türkische Schriftsteller unter Applaus in den Saal.
Thomas Steinfeld, Chef des Feuilleton der Süddeutschen Zeitung und Dozent an der Universität Luzern, hatte das Treffen mit Pamuk in die Wege geleitet. Er stellte eine erst Frage. Er wollte von Orhan Pamuk (Jahrgang 1952) wissen, was sich seit seinem letzten Besuch in der Schweiz im Jahre 1959 am meisten verändert habe. Pamuk gab (auf türkisch mit simultaner Übersetzung) zur Antwort, dass er und sein älterer Bruder den Vater, der in Genf gearbeitet hatte, für eine paar Wochen besuchen konnten und dass sie in einem Opel von Genf aus die Schweiz besichtigen konnten. Die grösste Änderung seit damals seinen die immensen Sicherheitsvorkehrungen, meinte er.
Ein türkischer Schriftsteller in der Schweiz, der nur unter Personenschutz auftreten kann, ist eigentlich nicht das beste Zeichen für abendländische Kultur im 21. Jahrhundert. Immerhin war es nicht verboten einen Fotoapparat und ein Buch in den Saal mit zu nehmen. Das mitgebrachte Buch liess ich gerne vom berühmten Autor signieren.

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