san ju

31. August 2008

wasser aus werthenstein

Filed under: kirchen,orte,wuerste — Schlagwörter: — admin @ 14:58


Wie schon letztes Jahr war es für mich ein Anreiz von Luzern aus mit dem Velo ans Jazzfestival in Willisau zu fahren. Auf dem Hinweg wollte ich wieder in Menznau Bauernbratwürste einkaufen. Auf dem Weg durch das ländliche Luzernerland, kann man die bauernhofeigenen Plakatwände nicht übersehen. Dieses Jahr ging es um fairen Milchpreis und gegen die Zwangseinschulung von vierjährigen Kindern. Zu diesem Zweck hat die SVP ein Plakat mit zwei traurig weinenden Kindern kreiert. Da ich zeitlich etwas spät dran war, entschloss ich mich nach etwa zwanzig Kilometer in Werthensten einen Halt einzulegen. Es war für mich eine gute Gelegenheit, meine Wasserflasche auszufüllen und die Wallfahrtskirche auf dem Burghügel zu besuchen.

Werthenstein war im 17. und 18. Jahrhundert neben Einsiedeln der bedeutendste Wallfahrtsort der Zentralschweiz. Entstanden war er erst um 1500. Einem Goldwäscher aus den Niederlanden soll die Maria erschienen sein. Er habe dann ein Marienbildnis am Erscheinungsort aufgehängt und der Ort habe sich zu einer lokalen Andachtsstätte entwickelt. Der Durchbruch zum Wallfahrtsort ist offenbar durch das „Zwetschgensteinwunder“ eingeleitet worden. Ein Knabe habe sich aus Unvorsicht einen Zwetschgenstein in die Nase gestossen und konnte nicht mehr von ihn befreit werden. Als die Eltern mit dem Knaben zum Marienbildnis gingen -O Wunder- musste er kräftig niesen und war somit geheilt.

Der Aufstieg zum Kloster ist recht steil, so dass ich vom Velo absteigen musste. Unterwegs stiess ich dann auf eine Grotte mit einem Marienstatue und einem kleinen Brunnen. Die Quelle sei 1632 erstmals erwähnt aber erst 1932 gefasst und in die Grotte geführt worden. Weiter stand auf einer Tafel geschrieben, dass die Wasserqualität einwandfrei und die Zusammensetzung unerklärlich seien. Mehrere Wunderzeichen im Zusammenhang mit der Quelle seien bekannt. So nahm ich denn einen kräftigen Schluck und füllte meine Wasserflasche auf.

Nach der Besichtigung der Wallfahrtskirche, gekräftigt durch das Wunderwasser nahm ich meine Fahrt wieder auf. Anstatt nach Willisau fuhr ich nun nach Ruswil. Versorgte mich dort mit Bratwürsten und kehrte über Hellbühl und Emmenbrücke nach Luzern zurück.

Das Bild von Maria und Josef ist ein Ausschnitt eines der vielen Fresken, die Josef Reinhard (bekannt als Trachtenmaler) in den Jahren 1775 bis 1779 im Hallenumgang des Klosters Werthenstein anbrachte. Nur schon diese Wandbilder sind einen Besuch wert.
Weiterführende Literatur zum Wallfahrtsort Werthenstein bei Hans Wicki: Staat, Kirche, Religiosität, Luzern 1990.

1 Kommentar »

  1. […] bei Ausflug- oder Lektüre-Tätigkeit offenbaren. Dazu gehören eine Velofahrt zum Wallfahrtsort Werthenstein, der Hinweis auf Indianerskulpturen an der Jesuitenkirche und ihre Bedeutung oder die Entdeckung […]

    Pingback by weblog.histnet.ch » Blog Archive » san ju – Geschichtsblog des Monats Juli 2009 — 1. September 2009 @ 10:15

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment

Powered by WordPress