
Gefangenentransport nach Basel 1799

Wöchnerin 1833

Seenot 1673

Nasenbluten 1807

Zwei Frauen, die sich 1798 mit ihren fünf Kindern erfolgreich vor den Franzosen verstecken konnten

Kniender Mann am Bett von Frau und Kind 1859
Bevor wir uns nach dem weihnächtlichen Spaziergang im Pilgerhaus von Maria Rickenbach bei einem heissen Tee aufwärmten, wollten wir noch die von aussen etwas schmucklos wirkende Wallfahrts-Kirche besichtigen. Wir waren dann überrascht von der Anzahl Votivtafeln, die im Inneren an den Seitenwänden aufgehängt waren. Ein wahrer kulturhistorischer Schatz ist hier zu besichtigen. Seit mehreren Jahrhunderten wurden hier Exvoto-Bilder aufgehängt als Erinnerung und Dank an die Mutter Gottes Maria, die hier offenbar seit dem 16. Jahrhundert verehrt wird. Im Eingangsbereich kommt die politische Gesinnung zum Ausdruck, der die Wallfahrtsstätte verpflichtet scheint. So ist auf einem Fenster ein Bild aus der Reformationszeit mit einer Bildersturmszene dargestellt. Gegenüber ist eine Mehrfach-Exvototafel mit einer Darstellung eines Gefangenentransportes aus der Zeit der Helvetik aufgehängt. Auf zwei Pferdewagen werden etwa zwei Dutzend Innerschweizer von französischen Soldaten in die Haft auf den Hauenstein abgeführt. Im Inneren dominieren Tafeln mit persönlichem Inhalt. Oft sind es Wöchnerinnen, die mit ihren Kleinkindern im Bett liegen und wohl für eine glückliche Geburt danken. Auf anderen Bildern wird gedankt, dass ein Unfall glimpflich abgelaufen ist; so etwa in der Darstellung eines umgekippten Heuwagens. Auf einem anderen Bild ist dargestellt, wie jemand von zweyen Unholden mörderisch angegriffen wurde und dank der Fürbitte gerettet wurde.
(Bei den abgebildeten Votivtafeln handelt es sich um Ausschnitte. Fotografiert am 26. Dezember 2009 in der Kirche Maria Rickenbach NW)

Als besorgter Hausvater hohlt man schon einige Tage vor Weihnachten die Krippe aus dem Keller zu einer Kontrolle. Sind noch alle Krippenfiguren vorhanden? Muss man etwa das Dach reparieren, Batterie und Birnchen der Stalllaterne ersetzen? Daneben gilt es abzuklären, ob neue Figuren zugekauft oder mit der Laubsäge neu erstellt werden sollen.
Dieses Jahr habe ich mich aus aktuellem Anlass für eine bauliche Erweiterung der Krippe entschlossen. Der etwas ärmlichen Stall soll mit einem schmucken Turm ergänzt werden. Auf der Suche nach Vorlagen erhielt ich von Laura einen Hinweis auf ein Do minaret yourself eines Genfer Grafikateliers, von wo aus ich eine Vorlage herunterladen konnte.
Es war dann doch harte Bastelarbeit am vierten Adventsonntag-Nachmittag. Ein Minarett zu erstellen erwies sich doch um etwas schwieriger als ein Minarett abzulehnen. Die Mühe wird sich jedoch gelohnt haben, wenn ich die leuchtenden Kinderaugen sehen werde, die dann am Weihnachtsabend gebannt auf die Krippenerweiterung blicken werden.


Vor wenigen Tagen, am 8. Dezember 2009, starb in New York der amerikanische Historiker Yosef Hayim Yerushalmi im Alter von 77 Jahren.
Yerushalmi, geboren 1932, lehrte an der Columbia University von New York mittelalterliche und moderne Geschichte. Sein Essay Zachor: Erinnere Dich! ist wohl sein international am meist beachtetes Werk, sein eigentlicher Forschungsschwerpunkt lag jedoch in der Geschichte der iberischen Juden und deren zwangsgetauften Nachkommen, der Marranos. Seine erste grössere Veröffentlichung war From Spanish Court to Italian Ghetto (1971); es ist die Geschichte von Isaac Cardoso, einem spanischen Marranen mit portugiesischer Abstammung, der in Italien wieder zum Judentum zurückfindet. Eine andere wichtige Untersuchung widmete Yerushalmi dem Massaker von Lissabon und dessen Rezeption unter dem Titel The Lisbon massacre of 1506 and the Royal Image in the Shebet Yehudah. (1976). Neben seinen Schriften um das sefardischen Judentum und zu den Marranen wurde auch seine Abhandlung zu Sigmund Freud: Freuds Moses (1991) breit rezipiert (und trug ihm von Derrida den Vorwurf ein, er habe versucht, Freud erneut zu beschneiden).
Ich selber bin nicht wegen den geschichtstheoretischen Arbeiten auf Yerushalmi aufmerksam geworden, sondern in erster Linie wegen seinen Schriften zum portugiesischen Judentum. Vom ersten Augenblick an war ich vom Scharfsinn und von der Schreibweise Yerushalmi’s begeistert. Seine Forschungsarbeiten sind so spannend geschrieben, dass sogar die Lektüre der Fussnoten Spass bereiten.
Wie mir Prof. Dr. Verena Lenzen mitteilte, hatte sie vor wenigen Jahren Yosef Hayim Yerushalmi zu einer Gastvorlesung an die Universität Luzern eingeladen. Yerushalmi habe jedoch aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Jetzt ist er, offenbar nach längerer Krankheit, in seiner Geburtsstadt New York verschieden.
(Vgl. die Würdigung von Nicolas Weill in Le Monde vom 11.12.2009)
Einige Werke von Yerushalmi:
- Sefardica. Essais sur l’histoire des juifs, des marranes et des nouveaux-chrétiens. Paris 1998.
- Ein Feld in Anatot. Versuche über jüdische Geschichte. Berlin 1993.
- Freuds Moses. Endliches und unendliches Judentum. Berlin 1992. (voraus das Portrait entnommen ist)
- Zachor Erinnere Dich! Jüdische Geschichte und jüdisches Gedächtnis. Berlin 1988.
- De la cour d’Espagne au ghetto italien. Isaac Cardoso et le marranisme au XVII. siècle. Paris 1987.

Wegen einer Sarazenin sind wir nach Zug gefahren. Auf das gleichnamige Bild von Alexej Jawlensky (1865-1930) sind wir in der Presse aufmerksam geworden. Es wird im Rahmen der Ausstellung “Der Schatz am Zugersee” bis zum 7. März im Zuger Kunsthaus gezeigt. Neben diesem einzigen Bild von Jawelensky sind einige anderen Bilder aus der Sammlung Kamm zu sehen. Neben Werken der klassischen Moderne wie (Gustav Klimt, Egon Schiele, August Macke und Oskar Schlemmer, u.a.) sind uns vor allem ein frühes Selbstportrait von Ernst Ludwig Kirchner und eine schöne Auswahl seiner Holzschnitte aus der Davoser Zeit ins Auge gefallen. Ein wirklich lohnenswerter Museumsbesuch im kleinen, gemütlichen Kunsthaus in Zug.
Als wir nach dem Museumsbesuch durch die Altstadt von Zug spazierten, sind wir dann auf eine interessante Szenerie gestossen. Einige verkleidete Araber führten Kinder auf Kamelen durch die Altstadtgassen. Diesmal schienen die Muslime offenbar keine Ängste in der Bevölkerung ausgelöst zu haben (In der Stadt Zug wurde die Minarettinitiative zu 52% abgelehnt, im Kanton jedoch zu 56% angenommen). Nach der Kamelbesichtigung verliessen wir Zug und den Märlisonntag.
Zurück in Luzern wichen wir dem Samichlaus-Auszug aus. Hier ging es etwas heimischer zu und her. Angeführt wurde der Auszug vom türkisch-stämmigen Nikolaus. Begleitet wurde der Bischof von Demre (Myra) von den volkstümlichen, urschweizerischen (und von der SVP so geliebten) Treichlern und Geisselklöpfern (Minartettinitiative Stadt Luzern 57% Ablehnung, Kanton Luzern 61% Zustimmung).

Bild oben: Beduinen und Kamele in der Altstadt von Zug
Bild unten: Alexej Jawlensky: Die Sarazenin (Ausschnitt), 1912. Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm