
Vor Jahren war es ein Spiel in der Stube, demnächst wird es ernst. Der damalige Bräutigam wird zur Braut und die Braut zum Hochzeitsgast.
Zwanzig Jahre später, am 2. Oktober 2009 in Wolhusen.
Eines der Rezepte, das ich noch immer nach den Vorgaben meiner Mutter koche, ist Siedfleisch (ausgesprochen “Südfleisch”). Dass diese Art von Fleischsuppe durchaus etwas Südliches an sich hat, merkte ich später, als ich den italienischen Brodo oder vielmehr den Bollito misto kennen gelernt hatte. Auch die Nachbarn aus Wien lernten mich mit ihrem Tafelspitz, dass Südfleisch nicht nur eine bäurische Spezialität aus der Schweiz ist.
Obwohl der Namen des Gerichtes auf eine reine Fleischspeise hinweist, nimmt das Gemüse eine überaus wichtige Rolle ein. Alle Arten des benötigten Gemüses kommen in einem wohl assortierten Gemüsegarten vor: Zwiebeln, Wurzelwerk (Rüebli (Karotten), Petersilienwurzel und Sellerie), Wirz (Wirsig) und Lauch.
Mit den Gewürzen geht man äusserst sparsam um. Die eigentlichen Gewürze sind die verschiedenen Gemüsesorten. Daneben spielen gewisse Küchenkräuter eine untergeordnete Rolle (Peterli, Maggikraut(vorsichtig) und Schnittlauch). Neben Salz und Pfeffer können zusätzlich einige Korianderkörner, ein Lorbeerblatt und eventuell ein Knoblauchzehen beigegeben werden.
Bei der Auswahl des Fleisches kann man sich vom Metzger beraten lassen. Im Prinzip kann jede Sorte von Rindfleisch verwendet werden. Von der Mutter habe ich gelernt, dass ich nach Brustkern, Federstück oder Lempen fragen soll. Das von ihr oft verwendete Stück “Hohrücken”, welches sie samt den daran haftenden flachen Rippenkochen gekocht hatte, wird in dieser Form nicht mehr angeboten. Jede Fleischsorte, hat ihre Eigenarten und weisst mehr oder weniger Fett auf. Ich habe Brustkern ausgewählt, ein mageres Stück, an dem nur wenig Uschlig (Unschlitt) dran ist. Das Fleischstück sollte nicht weniger als 750 Gramm wiegen.
Bei Kochbeginn sollte man sich entscheiden, ob man das Schwergewicht eher auf die Suppe oder mehr aufs Fleisch legen will. Wenn man eine wirklich kräftige Suppe haben möchte, so setzt man das Fleisch im kalten Wasser auf. Ich habe mich für die Methode entschieden, bei der man das Fleisch in die heisse Gemüsebrühe legt, damit sich die Poren gleich schliessen und entsprechend weniger Saft austreten kann. Wurzelgemüse, Zwiebel und Markbeine setzt man auf jeden Fall kalt auf. Die Zwiebel soll ungeschält belassen werden, damit die Brühe eine angenehm gelbliche Farbe erhält.
Nachdem das Fleisch zusammen mit dem Gemüse im Wasser einige Minuten aufgekocht wurde, bildet sich ein braunweisser Schaum an der Oberfläche. Dieser Schaum ist durch die Eiweissabsonderung der Knochen und des Fleisches entstanden. Mit einer Schaumkelle, die aus diesen Grunde unentbehrlich in jeder Küche ist, versucht man den Schaum immer wieder abzuschöpfen. Dies ist deshalb unumgänglich, damit man die Fleischbrühe klar beibt.
Wenn das Fleisch keinen Schaum mehr absondert, stellt man die Temperatur am Herd auf ein Minimum ein. Simmern, so wird der Kochvorgang benannt. In diesem Simmerzustand kann die Suppe, der nun auch Pfeffer- und Korianderkörner sowie ein Lorbeerblatt beigegeben wurde, für die nächsten zwei Stunden belassen werden. Genügend Zeit, um mit den Grosskindern zu spielen, ein Apéro zu genehmigen und das restliche Gemüse vorzubereiten. Den gerüsteten Wirz gebe ich gut eine halbe Stunde, den kleingeschnittenen Lauch eine Viertelstunde vor Ende der Kochzeit zur Suppe. Frühestens jetzt kann mit Salzen begonnen werden.
Sobald das Fleisch weich genug ist – das richtet sich nach der Grösse des Stücks, nach dem Alter des Rindes und nach dem Geschmack der Esser-, wird die Suppe serviert. Nach Belieben kann diese noch mit Peterli, Schnittlauch und kleinen Stücken von alter Brotrinde angereichert werden.
Zum saftigen Siedfleisch passen gut Salzkartoffeln, Reis oder auch eine knusperige Rösti.

Ein Reisläufer Gottes: diesen Titel gab Felix Alfred Plattner 1944 der Lebensgeschichte des aus Baar stammenden Jesuiten-Missionars Martin Schmid. Ob die martialische Bezeichnung durch die Kriegszeit bedingt war oder ob sie auf den militärischen Sprachgebrauch der Jesuiten zurückzuführen ist, kann wohl nicht mehr festgestellt werden. Der Autor beklagt sich, dass in Luzern wohl mit dem Löwendenkmal den militärischen Söldner ein Denkmal errichtet worden sei, nicht jedoch den Reisläufern Gottes, die von Luzern aus nach beiden “Indien” aufgebrochen waren, um die Welt geistig zu erobern. Mit seiner Schrift, die sich in erster Linie auf die Briefe von Martin Schmid beruft, wollte Plattner gleichsam stellvertretend den Innerschweizer Missionaren ein Denkmal setzen.
Was Plattner damals bereits ahnte, ist die Tatsache, dass Martin Schmid sich selber bemerkenswerte Denkmäler gesetzt hatte. Denkmäler, die zwar auch als Touristenattraktionen gelten, im Gegensatz zum Löwendenkmal jedoch zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt worden sind.

Martin Schmid (1694-1772), der am Jesuiten-Kollegium in Luzern studiert hatte, machte sich 1726 nach Südamerika auf. Während seines fast 40jährigen Aufenthaltes bei den Chiquito-Indianer im heutigen Bolivien, entpuppte er sich als wahres Genie (auch das ein Buchtitel von Plattner). Schmid betätigte sich nicht nur als Missionar, sonder verfasste unter anderem eine Grammatik in Chiquitano, komponierte geistige Musikwerke und lernte die Indianer, diese Stücke mit selbstangefertigten Instrumenten spielen. Daneben betätigte er sich als Architekt. Die von ihm konstruierten Urwaldkirchen sind es, die ins Welt-Kulturerbe aufgenommen wurden.
Als nach 1767 alle Jesuiten das Land aus politischen Gründen verlassen musste, kehrte Martin Schmid nach Europa zurück. Der mehr als 70järige Pater wurde vorerst für fünfzehn Monate in Cadiz interniert, bevor er nach einem Aufenthalt in Augsburg ans Jesuiten-Kolleg von Luzern zurückkehren konnte. 1772 starb er, gerade ein Jahr bevor der Jesuitenorden aufgelöst wurde.
Bilder:
- Der Reisläufer Gottes ist ein Ausschnitt des Schutzumschlages des gleichnamigen Buches.
- Die Kirche San Javier steht in der Provinz Ñuflo de Chávez, Bolivien. (siehe Wikipedia: Jesuit Missions of the Chiquitos)
Bücher von Felix Alfred Plattner:
- Ein Reisläufer Gottes. Das abenteuerliche Leben des Schweizer Jesuiten P. Martin Schmid aus Baar. Luzern 1944.
- Genie im Urwald. Das Werk des Auslandschweizers Martin Schmid aus Baar. Zürich 1959.
Beachte den Artikel von Delf Bucher in der NZZ vom 7. 3. 2002: Die Jesuiten Missionen im bolivianischen Tiefland (pdf).

“Als Herr Blanc die Wohnung seiner Mutter verließ, die Quartierstraße überquerte und den hellen, fast vollen Mond sah, der allein am Himmel stand, als er, auf der anderen Seite der Straße angekommen, dem steilen Weg folgte, der zuunterst in eine Treppe überging, und den Duft der Sträucher roch, die blühend links und rechts des Weges in den Gärten standen und beinahe ein Dach über ihm bildeten, musste er wieder an den Brief denken.”
“Also setzte er seinen Weg fort, folgte der Straße, die weiter vorn in die Hauptstraße mündete, wo die Busse fuhren, und da verstand er auf einmal, dass sein Verdruss weniger mit dem Essen zu tun hatte als mit dem Brief.”
“Doch auf Knopfdruck öffnete sich die Tür, Herr Blanc stieg aus und ging den schmalen, dunklen Weg hinauf, der zu einigen Wohnhäusern führte.”
Nicht diese drei willkürlich aus dem ersten Kapitel zitierten Sätze, in denen ich erfahre konnte, dass ein Weg in eine Treppe übergehen, in eine Hauptstrasse münden und zu einigen Wohnhäusern führen kann, haben mich verleitet den ersten Roman von Roman Graf zu lesen. Es war vielmehr das Cover mit einer Zeichnung von Laura, der mich anregte, das Buch über den Sonderling Herrn Blanc in die Hand zu nehmen.
Roman Graf: Herr Blanc. Roman. Limmat Verlag, Zürich 2009. (Umschlagillustration von Laura Jurt, Zürich)

Begleitet von drei fachkundigen Fusballexperten (Kurt, Pius und Roman) liess ich mich darauf ein, das Länderspiel anstatt in der Stube direkt vor Ort zu betrachten. Trotz des gesponsorten Fahnenmeeres blieb das oft erwähnte Krüseln beim Abspielen der Hymne aus. Richtig mitreissen vermochten auch die 22 Spieler auf dem Felde nicht. Als das Spiel der Schweizer immer lethargischer wurde, konnten die Pfiffe einzelner Zuschauer nicht mehr überhört werden. Dass die Partie schlussendlich doch noch mit einem Sieg für die Schweizer endete, versöhnte die meisten wieder. Mit bewahrtem (gestärktem?) Selbstwertgefühl wurde die Heimreise in überfüllten Zügen angetreten. Nächster Treffpunkt: Riga!
Was für eine Überraschung!!! Da gibt es tatsächlich interessierte Leser, die den san ju Blog als dermassen lesenswert finden, dass sie ihn (wenn auch etwas verspätet, was den Monat anbetrifft) für auszeichnungswürdig betrachten.
san ju – Geschichtsblog des Monats Juli 2009 ![]()
Mit Stolz nehme ich diese Auszeichnung, verliehen von histnet, dem Schweizerischen Weblog zu Geschichte und Digitalen Medien, entgegen.

Seit dem 15. Jahrhundert besteht der Wallfahrtsort “Maria Mitleiden” in Gormund (Gemeinde Neudorf LU). Was der Name “Maria Mitleiden” bedeuten soll, ist heute schwer zu erkennen. Kamen die Pilger nach Gormund, weil sie Mitleid mit Maria hatten, weil sie Mitleid von Maria erwarteten oder weil Maria mit ihnen mitlitt. Im Eingang der Wallfahrskapelle bekommt man einen ersten Aufschluss über die Leiden, die Pilger veranlassten, eine Wallfahrt zu versprechen. Auf einer Auswahl von Votivtafeln ist dargestellt, von welchen Leiden gläubige Pilger durch die Fürsprache der Maria gerettet wurden. Detailgetreu ist hier zum Beispiel ein Verkehrsunfall aus dem 17. Jahrhundert dargestellt. Auf dem Bild ist ersichtlich, wie einige Männer versuchen, eine hochschwangere Frau vom Gewicht eines schwerbeladenen Holzfuhrwerk zu befreien. Offensichtlich hatte die Hilfe der Männer und die Fürbitte der Maria geholfen. Die Frau soll trotz des Unfalls vier Wochen später einen gesunden Sohn geboren haben.

Einen Vorgeschmack auf die Leidensdarstellungen im Inneren der Kapelle gibt eine andere Votivtafel aus dem Eingangsbereich der Kapelle. Maria, der nicht weniger als sieben Schwerter in der Brust stecken, blickt mit voller Inbrunst zu einem mit einer Dornenkrone umwickelten Herzen hoch, welches von je zwei abgetrennten Händen und Füssen eingerahmt ist. Der Text zum Bild lautet: “Maria ohne Sünde empfangen, bitte für uns. Ex Voto 1846.”
Im kürzlich erschienen Buch “Zeitspuren” von Judith Rickenbach ist eine Rundwanderung von Sempach über Gormund und zurück empfohlen. Auf dieser Wanderung mit dem Titel “Die Glaubesnwelt des mittelalterlichen Menschen” sind neben der Kapelle von Gormund noch einige andere sehenswerte Orte zu entdecken.
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