san ju

15. Mai 2009

indianer in luzern

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Indianer haben Konjunktur. Dies nicht nur wegen des deutschen Finanzministers, der glaubt mit seiner Kavallerie die Schweizer Eingeborenen eingeschüchtert zu haben. Aktuell wird in den nationalen Medien auch des ältesten Luzerner Indianers gedacht. Zu Ehren des Vorort-Apachen Angy Burri wurde in Luzern zu dessen siebzigsten Geburtstag in der Kornschütte eigens eine Ausstellung eingerichtet.
Luzern und Indianer haben allerdings eine lange Tradition. Seit dem späten 17. Jahrhundert, seit 1667 die Jesuitenkirche fertig gestellt war, kniet ein bekehrter Indianer mit Federschmuck und Lendenschurz, ausgerüstet mit Pfeil und Köcher, zu Füssen des Fassadenheiligen Franz Xaver, der als neuer Stadtpatron beschützend auf Reuss und Altstadt blickt. Unlängst hat die Kunsthistorikerin Christine Göttler in einem Vortrag zur Jesuitischen Kultur in Luzern (Die Kunst der Konversion. Antwerpen, die Jesuiten und die neue Welt) auf diese Statue hingewiesen. Erwähnt hat sie dabei auch die Tatsache, dass Franz Xaver wohl von Indien bis nach China missionierte, dass er jedoch nie einen leibhaftigen Indianer zu Gesicht bekommen hatte. Dass die Jesuiten es nicht nur als ihre Aufgabe anschauten, in Übersee Seelen zu fischen, sondern auch die einheimischen Indianer missionieren wollten, auf das weisst der Historiker Dominik Sieber hin. Er bietet zur Zeit an der Universität Zürich ein Seminar an mit dem Titel: “Eigene Indianer. Barocke Volkskulturen in Luzern und der Innerschweiz”.

Christine Göttler: Novissima: Art and Religious Practice in the Age of Reform (Veröffentlichung demnächst).
Dominik Sieber: Jesuitische Missionierung, priesterliche Liebe, sakramentale Magie. Volkskulturen in Luzern 1563-1614. Basel 2005.

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