san ju

28. März 2009

i p v t

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troxler1
Schlau oder zumindest verschmitzt erscheint Ignaz Paul Vital Troxler auf dem bekanntesten von ihm erhaltenen Bildnis. Troxler war 1780 in Beromünster als ältester Sohn eines Schneiders und Ladenbesitzers geboren. Seinen Vater verlor er bereits als zehnjähriger. Seine Mittelschulzeit verbrachte er an den Jesuitenschulen von Solothurn und Luzern. In dieser Zeit begeisterte er sich für die Ideen der französischen Revolution. Bei der Helvetische Revolution wurde der junge Troxler sogleich zum “Kriegskommissar für den Distrikt Münster” und später zum Privatsekretär des Regierungsstatthalters Rüttimann ernannt. Eine Politische Karriere schien vorgezeichnet zu sein. Doch Troxler entschied sich für die Ausbildung zum Arzt und zog nach Jena und  Wien.

Nach einem kurzen Zwischenspiel von 1806 musste er Beromünster fluchtartig verlassen. Troxler kehrte nach Wien zurück, wo er seine spätere Frau kennenlernte. Mit ihr zog er 1809 erneut nach Beromünster, um eine Arztpraxis zu eröffnen. Als er um eine Bewilligung vorsprach, wurde er jedoch festgenommen. Erst als er nach inständigen Bitten seiner jungen Gemalin und seiner Mutter sich beim Sanitätsrat entschuldigte, wurde er nach einwöchiger Haft wieder entlassen.

Troxler hielt sich in der Folge politisch eher zurück. Das änderte sich jedoch als im Februar 1814 in Luzern ein Staatsstreich stattfand. Das Meiste, was man durch die Helvetische Revolution gewonnen hatte, sollte wieder rückgängig gemacht werden. Es sollte wieder der Zustand vor 1798 hergestellt werden (Restauration). An der Spitze des Putsches stand Vinzenz Rüttimann; derjenige Rüttimann, der 1798 der Revolution in Luzern zum Durchbruch verholfen hatte und den jungen Troxler zu seinem Sekretär ernannt hatte und der schon die erste Verhaftung Troxlers veranlasst hatte.

Troxler und einige seiner Freunde setzten eine Petition gegen die neuen (alten) Machthaber auf. Die Volkssouveränität sollte wieder hergestellt und die Vormacht der Stadt über das Land sollte beendet werden. Die Petition mit über 70 Unterschriften wurde konfisziert. An die 20 Verdächtige wurden inhaftiert; darunter auch Troxler. Nach fünf Wochen Haft in Sursee wurde Troxler gegen Kaution frei gelassen. Die Urheberschaft der Bittschrift konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Erneut verliess Troxler Beromünster mit seiner Familie Richtung Wien. Einen kühnen Plan hatte er gefasst. Mit anderen demokratisch gesinnten Schweizern wollte er sich direkt am Wiener Kongress für die Volksrechte einsetzen.

(Zu den Verhältnisse in Luzern zur Zeit der Helvetik vgl. Heidi Bossard-Borner, Im Bann der Revolution. Der Kanton Luzern 1798-1831/50.  Luzern 1998.)

21. März 2009

von luzern nach jena

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luzernjena
Im Oktober 1800 machten sich zwei angehende Luzerner Medizinstudenten auf nach Jena. Die Reise führte über Basel, Strassburg und Frankfurt und dauerte etwa drei Wochen. Der eine der beiden Studenten, Joseph Corraggione, führte ein Tagebuch, das heute im Staatsarchiv Luzern liegt und teilweise online einsehbar ist. Der andere Student war Ignaz Paul Vital Troxler aus Beromünster. In seinen Erinnerungen schreibt er, dass er ein so schönes Studium nie wieder gesehen habe. Die Basis sei die Philosophie gewesen und mit Erfurcht habe er sich dieser Geisteswelt genähert und er betrachte es als sein höchstes Lebensglück die meisten ihrer Götter und Helden gesehen und gehört zu haben. Er meinte damit vor allem die Philosophen Fichte, Schelling und Hegel, bei denen er Vorlesungen besuchte, aber wohl auch die Dichter, die sich zu dieser Zeit in Jena (die beiden Schlegel, Novalis, Humbold…) und im benachbarten Weimar (Goethe, Schiller, Wieland, Herder…) aufhielten.
Troxler schloss 1803 sein Medizinstudium mit einer Arbeit über Augenentzündungen ab. Danach begab er sich nach Göttingen und danach nach Wien, wo er vor allem wissenschaftlich tätig war. (Nebenbei sei erwähnt, dass er in Wien auch kurz mit dem Beethoven zusammentraf.) Ende 1805 gab Troxler den Bitten seiner Mutter nach und kehrte nach Luzern zurück. Anfangs 1806 eröffnete er in Beromünster eine Arztpraxis. Gerade zu dieser Zeit wütete im Kanton Luzern eine Gripppe-Epidemie, die viele Opfer forderte. Als er sah wie die heimische Ärzteschaft auf diese Krankheit, die sie als Faulfieber bezeichneten, eingingen, erregte es in ihn dermassen, dass er eine Schrift gegen den amtierenden Sanitätsrat herausgab, in der er pauschal den medizinischen Versorgungsstand angriff:

Hier ist der Boden des gottverlassensten Zustandes der Medizin. Nirgends wird mit Leben und Gesundheit ein so blindes und freches Spiel getrieben wie hier. Oder wo gibt es noch diese zahllose Menge dummer Bauern, unwissender Weiber, Viehärzte, und Wasenmeister etc. etc., welche Medizin zur Profession machen, und machen können und dürfen wie hier? Wo findet sich noch eine so ungezügelte, oder so lose angehaltene Pfuscherei und Quacksalberei, wie hier? – Es ist beispiellos und schändlich!

Die Anwort aus Luzern blieb nicht aus. Er wurde aufgefordert, vor dem Sanitätsrat zu erscheinen und sich in aller Form zu entschuldigen. Troxler weigerte sich und entzog sich der Verhaftung durch die Flucht in den Aargau. Es sollte nicht der letzte Haftbefehl sein, der in Luzern gegen Troxler erlassen wurde. Von Aarau aus begab sich Troxler danach wieder nach Wien.

Vgl: Daniel Furrer: Ignaz Paul Vital Troxler (1780-1866) und seine Zeit: ein Leben für Freiheit und Einheit. 2004.

17. März 2009

john milton in luzern

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fürst und volk
Erst kürzlich, im Dezember 2008, hat sich der Geburtstag von John Milton (1608-1674) zum 400. Mal gejährt. Der englische Dichter und Philosoph wurde breit gewürdigt. Eines seiner Hauptwerke, “Das verlorene Paradies”, wurde zum Gedenkjahr neu übersetzt und herausgegeben. Milton wurde gefeiert wegen seinem lebenslangen Kampf für die Freiheit und die Rechte des Volkes

Ein anderes Werk Miltons, die “Defensio pro populo anglicano”, wurde 1821 vom damaligen Philosophielehrer am Luzerner Gymnysium, von dem aus Beromünster stammenden Ignaz Paul Vital Troxler, zusammen mit einer Schrift des Schottischen Humanisten Buchanan unter dem Titel “Fürst und Volk” ins Deutsche übersetzt und publiziert. Die Schrift fand im In- und Ausland viel Beachtung. Die erste Auflage von über tausend Stück war bereits nach vier Wochen ausverkauft.

In Luzern wurde der Verkauf allerdings bereits nach zwei Wochen untersagt. Die “Schmähschrift” wurde im Rat verurteilt, da sie zum Königsmord aufrufe, die Schweiz im Ausland kompromittiere und Ruhe und Ordnung im Kanton gefährde. Ein Verbot der Schrift war der Luzerner Regierung jedoch zu wenig. In einer Extrasitzung des Kleinen Rates wurde die fristlose Entlassung Troxlers verfügt. Alle Einwände Troxlers und die Bittschriften seiner Schüler und liberalen Freunde halfen nichts. Die Regierung kam nicht mehr auf ihren Beschluss zurück. Im Gegenteil wurde später auch sein Ruf an die Universität Freiburg im Breisgau hintertrieben. Troxler sei der gefährlichste Schriftsteller der Schweiz.

Troxler fand einmal mehr im Aargau bei seinen politischen Freunden Aufnahme und Zuflucht. Von 1834-1853 lehrte er dann Philosophie an der Universität in Bern. Heute gilt er als einer der wesentlichen Vorkämpfer und Mitgestalter der Bundesverfassung von 1848.

Das Buch “Fürst und Volk nach Buchanan’s und Milton’s Lehre” (2. Auflage, Aarau 1821)  und die “Nachschrift zu Dr.Troxlers „Fürst und Volk“. Tatsächliche Darstellung der Schicksale dieses Buches und seines Verfassers unter Schweizer Regenten mit interessanten Belegen” (Stuttgart 1822) sind online greifbar.

3. März 2009

der einarmige gelehrte aus grosswangen

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Eduard (Édouard) Huber wurde am 12. August 1879 als Sohn des Kronenwirtes in Grosswangen geboren. In jungen Jahren verunfallte er in der familieneigenen Ziegelei und verlor seinen linken Arm. Beim einarmigen Schüler trat schon bald ein ausserordentliches Sprachtalent zum Vorschein. Nach der Primarschule in Grosswangen und der Mittelschule in Willisau besuchte er das Gymnasium in Solothurn. Neben den obligatorischen Fremdsprachen (Französisch, Latein und Griechisch) eignete er sich dort auch die italienische, englische und spanische Sprache an; zusätzlich beschäftigte er sich  mit Hebräisch, Chaldäisch und Sanskrit. Daneben lass er täglich in einer arabischen Zeitung aus Kairo. Als achtzehnjähriger Student schaffte er 1897 die Aufnahme an die Sorbonne in Paris, wo er sich vorerst für Sanskrit und (Alt-)Persisch einschrieb. Später belegte er zusätzlich Russisch, Japanisch und Chinesisch, danach auch Armenisch und Hindustani. Kein Wunder, dass Huber bei dieser Begabung die Aufmerksamkeit und Förderung seiner Professoren (unter ihnen die damals bekannten Sinologen Lévi und Chavannes vom Collège de France) auf sich zog. Nach vier Jahren Studium in Paris wurde er Mitglied der École française d’Extrême-Orient und konnte so seine Forschungstätigkeit in Indochina (Saigon, Hanoi) aufnehmen. Seine dort entstandenen Arbeiten hatten einiges Aufsehen erregt. Eine spätere Stelle als Professor wurde ihm bereits als 25jährigem zugesagt. Diese Funktion nahm er dann tatsächlich für ein Semester im 1912 an der Sorbonne wahr. 1913 kehrte Huber, nachdem er sich ein paar Wochen in Grosswangen aufgehalten hatte, nach Hanoi zurück. Dieser dritte Aufenthalt in Vietnam sollte nur von kurzer Dauer sein. Huber erkrankte Ende 1913 an einem heftigen Fieber. Nach wenigen Tagen, am 6. Januar 1914, starb er in Vinh-long.

Die Photographie entstand 1903 in Rangoon (Burma). Wie auf den meisten erhaltenen Bilder gelingt es Huber gut, den fehlenden Arm zu kaschieren. Die Foto ist dem Buch von Casimir Schnyder aus dem Jahr 1920 entnommen.

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