san ju

22. Februar 2011

roi maroccain

Filed under: koepfe,orte — Schlagwörter: , — admin @ 10:23

Letzten Frühsommer in Marokko: Die Polizei hält sich mehrheitlich im Hintergrund und wenn sie sich zeigt, dann gerne in der Paradeuniform. Anders der König. Er ist omnipräsent: in jedem öffentlichen Gebäude aber auch in jeder Laden und in jedem Handwerksbetrieb hängt ein Bild von ihm.

Auch an den Mauern von Marrakesch ist hin und wieder ein Königsbild als Graffiti sichtbar. Bei genauerem Hinschauen entpuppt sich dieser König jedoch als GrazBoy, eine Figur der marokkanischen Fussballfans.

Die Mitglieder der Fangruppe Grazy Boyz bezeichnen sich selber als Ultras.

Die Bilder entstanden im Juni 2010 in Marrakesch und Fez.

25. August 2010

120 meter höhendifferenz

Filed under: kirchen,koepfe,orte — Schlagwörter: , , , , — sanju @ 07:53

Geplant war eine kleine Velotour von Luzern nach Sempach-Station, genaugenommen zum Weiler Adelwil. Ich wählte die gut ausgeschildert Radroute Nr. 3 aus. Ausgangs Emmen wurde ich durch ein Hinweisschild vor der drohenden Steigung gewarnt: 120 Meter Höhenunterschied auf den nächsten 8 Kilometern. Untrainiert wie ich bin, kam ich recht ins Schwitzen und war froh, als ich den Turm der Kirche Bertiswil sah. Er gab mir Anlass für einen Zwischenhalt. Die Kirche Bertiswil steht etwas ausserhalb von Rothenburg Richtung Rain. Sie wurde erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt und nach 1500 wesentlich umgebaut und vergrössert. Die äussere Form hat sich in den letzten 500 Jahren unwesentlich verändert. Vor allen der Kirchturm mit dem charakteristischen Giebeldach gibt der Kirche ihr mittelalterliches Gepräge.

Im Chorraum sind beachtliche Fresken aus dem frühen 16. Jahrhundert wieder freigelegt worden. Sonst hat die Ausstattung des Innenraumes seit dem späten Mittelalter doch einige Änderungen erfahren. Die Altäre stammen aus dem Barock, der Hauptaltar von 1688, die Seitenaltäre von 1700. Das Zentrum des Hauptaltares bildet eine Pièta, Maria mit dem geschundenen Jesus auf ihrem Schoss. Auf den zwei seitlichen Konsolen stehen Jakobus und die hübsche Maria Magdalena.

An den beiden Seitenansichten des Tabernakels sind zwei spät-gotische Reliefs angebracht. Auf ihnen sind die vierzehn Nothelfer dargestellt.

Die vierzehn Nothelfer erlebten seit dem 14. Jahrhundert eine immer grössere Beliebtheit in der Volksfrömmigkeit. Zur gleichen Zeit als die Kirche von Bertiswil neu erbaut wurde, war im ganzen Gebiet des Kanton Luzerns eine rege Kirchenbautätigkeit im Gange. Gleichzeitig war ein Anstieg der Heilgenverehrung und des lokalen Wallfahrtswesen zu beobachten. Die Nothelfer waren oft das Ziel von Verehrungen; wohl auch deshalb, weil mit ihnen die verschiedensten Bedürfnisse abgedeckt waren. Längst ist nicht mehr vielen bekannt, für welche Krankheiten und Wünschen welcher der Heiligen angerufen werden kann.
Erasmus, auf dem Bild der erste oben links, hilft bei Krämpfen und Koliken; Dionysius bei Kopfweh und schlechtem Gewissen; Eustachius bei Trauerfällen; Achatius bei Todesangst. In der unteren Reihe sind die drei nach Maria am meisten verehrten Heiligen dargestellt. Barbara, die erste unten links, schützt vor Blitz und Feuersbrunst; Katharina ist Beschützerin aller Mädchen und Frauen und hilft bei Sprachschwierigkeiten. Margareta schliesslich verhilft zu einer guten Geburt und beschleunigt allgemein die Wundheilung.

Das Relief mit der zweiten Hälfte der vierzehn Nothelfer beginn mit einem für das späte Mittelalter äusserst wichtigen Heiligen, mit Christopherus. Ihn rief man an, damit man nicht unerwartet den Tod fand. Neben ihm ist ein Bischof dargestellt. Obwohl er die Insignien von Nikolaus trägt, dürfte sich um Blasius handeln. Dieser war zuständig für alle Halserkrankungen. Neben ihm steht Pantaleon, der Patron der Hebammen und Ärzte. Die zweite Reihe beginnt mit dem Drachentöter St. Georg. Er konnte bei verschiedensten Anliegen angesprochen werden. So schützte er vor Pest und Krieg, galt aber auch als Beschützer der Haustiere. Den Abschluss bilden Vitus (Veit), der Helfer bei Geisteskrankheit, Cyriacus, der Beistand in der Todesstunde und Ägidius, der gerne von stillenden Müttern angerufen wurde.

Nach dem kulturhistorisch überraschenden Kirchenbesuch (vlg. Eintrag im HLS) mussten nun noch die letzten Höhenmeter Richtung Sandblatten bewältigt werden. Nach kaum einem Kilometer wies mich der nächsten sakralen Wegbegleiter, ein imposantes Wegkreuz, auf die Abzweigung nach Sempach hin. Von jetzt an ging es auf einer kaum befahrenen Nebenstrasse fast nur noch begab. Gerne tauschte ich einige der gewonnenen Höhenmeter mit einer leichten Abfahrt. Mein Ziel war Adelwil, ebenfalls ein Wallfahrtsort der vierzehn Nothelfer.

16. April 2010

teodoro reding in malaga

Filed under: koepfe,orte — Schlagwörter: , — sanju @ 08:27

Nun marschieren sie wieder, die Truppe von Teodoro Reding. In diesem Frühjahr haben die Hobbysoldaten Hochbetrieb. Im Rahmen der Zweihundertjahr-Feiern zur Erinnerung an den Spanischen Unabhängigkeitskrieg (Conmemoración y Recreación Histórica del Bicentenario de la Guerra de la Independencia en Málaga) tritt die nach dem Schweizer (Schwyzer) Söldnerführer Theodor Reding von Biberegg benannten Truppe an verschiedenen Orten auf, um in historischen Uniformen und mit Waffenlärm die Feiern zu untermalen. Theodor von Reding war allerdings zum fraglichen Zeitpunkt, als Malaga 1810 sich gegen die napoleonische Herrschaft auflehnte, bereits seit einem Jahr tot. Er starb 1809 in Tarragona an den Folgen einer Verletzung, die er während eines Gefechts gegen die Franzosen erlitten hatte. In Malaga wurde bereits letztes Jahr zu Ehren von Reding auf der Plaza de la Constitución eine Gedenktafel angebracht. Als lebende Erinnerung tingelt nun schon eine Weile das Regimiento Suizo de Reding durch die befreiten Städte, bietet ihren Spektakel an und stellt Filmausschnitte auf Youtube. Die Erinnerungsfeiern werden wohl noch einige Jahre andauern. Der Unabhängigkeitskrieg dauerte ja von 1808 bis 1814.

Die Agenda der nächsten Auftritte ist der Homepage der Asociación Histórico – Cultural Teodoro Reding zu entnehmen.

11. Dezember 2009

zachor: erinnere dich!

Filed under: koepfe,worte — Schlagwörter: , — sanju @ 10:35

yerushalmi
Vor wenigen Tagen, am 8. Dezember 2009, starb in New York der amerikanische Historiker Yosef Hayim Yerushalmi im Alter von 77 Jahren.

Yerushalmi, geboren 1932, lehrte an der Columbia University von New York mittelalterliche und moderne Geschichte. Sein Essay Zachor: Erinnere Dich! ist wohl sein international am meist beachtetes Werk, sein eigentlicher Forschungsschwerpunkt lag jedoch in der Geschichte der iberischen Juden und deren zwangsgetauften Nachkommen, der Marranos. Seine erste grössere Veröffentlichung war From Spanish Court to Italian Ghetto (1971); es ist die Geschichte von Isaac Cardoso, einem spanischen Marranen mit portugiesischer Abstammung, der in Italien wieder zum Judentum zurückfindet. Eine andere wichtige Untersuchung widmete Yerushalmi dem Massaker von Lissabon und dessen Rezeption unter dem Titel The Lisbon massacre of 1506 and the Royal Image in the Shebet Yehudah. (1976). Neben seinen Schriften um das sefardischen Judentum und zu den Marranen wurde auch seine Abhandlung zu Sigmund Freud: Freuds Moses (1991) breit rezipiert (und trug ihm von Derrida den Vorwurf ein, er habe versucht, Freud erneut zu beschneiden).

Ich selber bin nicht wegen den geschichtstheoretischen Arbeiten auf Yerushalmi aufmerksam geworden, sondern in erster Linie wegen seinen Schriften zum portugiesischen Judentum. Vom ersten Augenblick an war ich vom Scharfsinn und von der Schreibweise Yerushalmi’s begeistert. Seine Forschungsarbeiten sind so spannend geschrieben, dass sogar die Lektüre der Fussnoten Spass bereiten.

Wie mir Prof. Dr. Verena Lenzen mitteilte, hatte sie vor wenigen Jahren Yosef Hayim Yerushalmi zu einer Gastvorlesung an die Universität Luzern eingeladen. Yerushalmi habe jedoch aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Jetzt ist er, offenbar nach längerer Krankheit, in seiner Geburtsstadt New York verschieden.

(Vgl. die Würdigung von Nicolas Weill in Le Monde vom 11.12.2009)

Einige Werke von Yerushalmi:
– Sefardica. Essais sur l’histoire des juifs, des marranes et des nouveaux-chrétiens. Paris 1998.
– Ein Feld in Anatot. Versuche über jüdische Geschichte. Berlin 1993.
– Freuds Moses. Endliches und unendliches Judentum. Berlin 1992. (voraus das Portrait entnommen ist)
– Zachor Erinnere Dich! Jüdische Geschichte und jüdisches Gedächtnis. Berlin 1988.
– De la cour d’Espagne au ghetto italien. Isaac Cardoso et le marranisme au XVII. siècle. Paris 1987.

7. Dezember 2009

araber und sarazenen in zug

Filed under: koepfe — Schlagwörter: , , — sanju @ 09:27

Maerlisonntag Zug
Wegen einer Sarazenin sind wir nach Zug gefahren. Auf das gleichnamige Bild von Alexej Jawlensky (1865-1930) sind wir in der Presse aufmerksam geworden. Es wird im Rahmen der Ausstellung „Der Schatz am Zugersee“ bis zum 7. März im Zuger Kunsthaus gezeigt. Neben diesem einzigen Bild von Jawelensky sind einige anderen Bilder aus der Sammlung Kamm zu sehen. Neben Werken der klassischen Moderne wie (Gustav Klimt, Egon Schiele, August Macke und Oskar Schlemmer, u.a.) sind uns vor allem ein frühes Selbstportrait von Ernst Ludwig Kirchner und eine schöne Auswahl seiner Holzschnitte aus der Davoser Zeit ins Auge gefallen. Ein wirklich lohnenswerter Museumsbesuch im kleinen, gemütlichen Kunsthaus in Zug.
Als wir nach dem Museumsbesuch durch die Altstadt von Zug spazierten, sind wir dann auf eine interessante Szenerie gestossen. Einige verkleidete Araber führten Kinder auf Kamelen durch die Altstadtgassen. Diesmal schienen die Muslime offenbar keine Ängste in der Bevölkerung ausgelöst zu haben (In der Stadt Zug wurde die Minarettinitiative zu 52% abgelehnt, im Kanton jedoch zu 56% angenommen). Nach der Kamelbesichtigung verliessen wir Zug und den Märlisonntag.
Zurück in Luzern wichen wir dem Samichlaus-Auszug aus. Hier ging es etwas heimischer zu und her. Angeführt wurde der Auszug vom türkisch-stämmigen Nikolaus. Begleitet wurde der Bischof von Demre (Myra) von den volkstümlichen, urschweizerischen (und von der SVP so geliebten) Treichlern und Geisselklöpfern (Minartettinitiative Stadt Luzern 57% Ablehnung, Kanton Luzern 61% Zustimmung).

AlexejJawlenskySarazenin1912 aus

Bild oben: Beduinen und Kamele in der Altstadt von Zug
Bild unten: Alexej Jawlensky: Die Sarazenin (Ausschnitt), 1912. Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm

27. November 2009

briggel, der anarchist

Filed under: koepfe,toepfe — Schlagwörter: , , — sanju @ 09:25

Der Briggel 3 aus
Als Briggel (in der gleichnamigen Erzählung von Jakob Bosshart) bemerkt, dass sich sein Bruder und die zukünftige Schwägerin gegen ihn im Hinterstübli verschworen hatten und ihm den Anteil an der Erbschaft vorenthalten wollten, flieht er verzweifelt, fast besinnungslos, in die Nacht hinaus. Als er im Wald wieder zu sich kommt, entledigt er sich als erstes von der Ursache allen Übels, von seinem Geld. Nur wenig Münzen findet er in seiner Geldbörse, aber die wirft er voller Abscheu in den nahen Sumpf. Gleichzeitig schwört er, in seinem Leben nie mehr Geld anzurühren.
Als er später als Einsiedler zwischendurch bei den Bauern als Mäher aushilft, nimmt er tatsächlich kein Geld als Lohn an. Die Bäuerin, eine gute Frau, die eine grosse Not ahnte, packte ihm zwei schwere Brotlaibe in eine Sack aus kölnisch Tuch, zwängte eine Schnitte Rauchspeck und gedörrte Apfelschnitze hinein….So zog er mit seinem Sack ab, etwas beschämt, etwas bettlerhaft, er wusste nicht recht warum. Auch später, als der Briggel dem Apotheker in der Stadt seine Heilkräuter liefert, lässt er sich nur in Naturalien bezahlen. Der Bote, der für ihn die Geschäfte abwickelt, machte dabei, wie er bemerkte, einen „guten Schnitt“.
Der Briggel 4 aus

Unverkennbar ist in dieser Abscheu vor dem Geld, die antikapitalistische Haltung Jakob Bossharts auszumachen. In seinen Geschichten ist oft vom der unseeligen Auswirkungen des Materialismus die Rede. Am stärksten kommt dies wohl in seinem letzten grossen Werk zum Ausdruck, im Roman Ein Rufer in der Wüste. Schonungslos rechnet er mit Spekulantentum , mit dem unmenschlichen Kapitalismus der Zeit vor und während des 1. Weltkrieges ab. Ein erstaunlich linke Haltung des Bauernsohnes und ehemaligen Kantonsschullehrers. Seine Haltung gegenüber dem Kapitalismus ist jedoch kaum marxistisch begründet. Eher kann ihm eine Verwandtschaft mit der Freiwirtschaftbewegung von Silvio Gesell nachgewiesen werden. Entsprechend lässt Bosshart „seinen“ Rufer in der Wüste zwar einen Rebell, aber kein Revolutionär werden. Die Geschichte seines Helden endet denn auch tragisch, wie viele der Geschichten von Jakob Bossart.

Bibliographische Angaben:

– Jakob Bosshart: Ein Rufer in der Wüste. Gretlein & Co., Zürich, Leipzig 1921 (nach einem Vorabdruck in der NZZ).
– Silvio Gesell: Die natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld. Selbstverlag, Les Hauts Geneveys 1916.

21. November 2009

briggel, der eremit

Filed under: koepfe,worte — Schlagwörter: , — sanju @ 17:45

Der Briggel 1 aus
Jakob Bosshart (1862-1924) wir oft als Heimatdichter bezeichnet. Er ist jedoch keineswegs ein Dichter, der eine ländliche Idylle beschreibt. Wohl handeln seine Geschichten vorwiegend im ländlichen Milieu des ausgehenden 19. Jahrhunderts; seine Figuren sind jedoch oft Aussenseiter, Knechte und Mägde, verarmte Pächter, tragische Figuren aus den bäuerlichen Umfeld, die in einem aussichtslos scheinenden Kampf gegen ihr Schicksal stehen.
Solch eine tragische Figur ist der Briggel, der Stotterer. Den Übernahmen erhielt er, weil er von seinem brutalen Vater, dem Metzger und Lindenwirt dermassen traumatisiert wurde, dass er sich nur noch stotternd ausdrücken konnte. Nach dem Tod des Vaters erhoffte der Briggel, endlich sein Schicksal selber in die Hand nehmen zu können. Aus dem zu erwartenden Erbe wollte er ein kleines Bauerngut erwerben und anschliessend die schöne Haushälterin heiraten. Sein Bruder Peter dachte allerdings nicht daran, den Briggel auszubezahlen. Wie es schon seit Generationen der Fall war, sollte er, der kräftigere, die Liegenschaft mit Wirtshaus, Metzgerei und Landwirtschaftsbetrieb übernehmen. Für den stotternden Bruder war die Rolle eines billigen Knechtes vorgesehen.
Als Briggel nun auch noch hinnehmen musste, dass Peter erfolgreich um die flotte Haushälterin warb, versuchte er verzweifelt seinem Schicksal zu entrinnen. Mittellos wie er war, floh er in die Wälder der Umgebung. Als Einsiedler zog er sich zurück in eine selbst gebaute Waldhütte. Seinen bescheidenen Lebensunterhalt bestritt er mit dem Verkauf von gesammelten Heilkräutern und Wurzeln. Die Geschichte hat insofern einen guten Ausgang, dass Briggel in der freien Natur das Stottern verlor und im Dorf als Lebensberater ein gewisses Ansehen erlangte.
Der Briggel 5 aus
Jakob Bosshart, der Autor dieser Erzählung, stammt selber aus einem Bauernhof bei Winterthur und wurde später Lehrer. Wegen der Tuberkulose musste er sich vom Schuldienst zurückziehen. 1915 wurde er in ein Lungensanatorium nach Clavadel bei Davos überführt. Hier lernte er den Maler Ernst Ludwig Kirchner kennen. Frau Bosshart stickte einige Kissen nach Entwürfen von Kirchner. Als Bosshart 1923 seine Erzählsammlung „Neben der Heerstrasse“ veröffentlichte, trug Kirchner 23 Holzschnitte bei. Die Illustrationen wurden von den Originalstöcken abgezogen. Ein Exemplar dieser Erstausgabe befindet sich im MoMa in New York, ein anderes ist frei ausleihbar in der ZHB Luzern.

Bibliographische Angaben: Neben der Heerstrasse. Erzählungen von Jakob Bosshart. Mit Holzschnitten von E. L. Kirchner. Verlag von Grethlein & CO. Zürich, Leipzig 1923.

12. November 2009

vier mimen in paris

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rebekka in paris

8. Oktober 2009

geissenschwester

Filed under: koepfe — Schlagwörter: , , — admin @ 11:59

Sorella Capre

Der Alpsommer ist zu Ende, die Geissen und die Hirtinnen sind zurück im Tal
Eine Hommage an die Ziegen, speziell an die Capra Grigia, und gleichzeitig auch eine Hommage an die Ziegenhirtinnen, speziell wohl an die Schwester, wurde von Moira gestaltet. Der Druck Sorella capre ist neben anderen Ziegenkunst auf der Kunstprojekt-Seite der ProSpecieRara veröffentlicht.

17. September 2009

ein reisläufer gottes

Filed under: kirchen,koepfe,orte — Schlagwörter: , , — sanju @ 17:01

Martin Schmid Reisläufer Gottes
Ein Reisläufer Gottes: diesen Titel gab Felix Alfred Plattner 1944 der Lebensgeschichte des aus Baar stammenden Jesuiten-Missionars Martin Schmid. Ob die martialische Bezeichnung durch die Kriegszeit bedingt war oder ob sie auf den militärischen Sprachgebrauch der Jesuiten zurückzuführen ist, kann wohl nicht mehr festgestellt werden. Der Autor beklagt sich, dass in Luzern wohl mit dem Löwendenkmal den militärischen Söldner ein Denkmal errichtet worden sei, nicht jedoch den Reisläufern Gottes, die von Luzern aus nach beiden „Indien“ aufgebrochen waren, um die Welt geistig zu erobern. Mit seiner Schrift, die sich in erster Linie auf die Briefe von Martin Schmid beruft, wollte Plattner gleichsam stellvertretend den Innerschweizer Missionaren ein Denkmal setzen.
Was Plattner damals bereits ahnte, ist die Tatsache, dass Martin Schmid sich selber bemerkenswerte Denkmäler gesetzt hatte. Denkmäler, die zwar auch als Touristenattraktionen gelten, im Gegensatz zum Löwendenkmal jedoch zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt worden sind.
San_Javier_church

Martin Schmid (1694-1772), der am Jesuiten-Kollegium in Luzern studiert hatte, machte sich 1726 nach Südamerika auf. Während seines fast 40jährigen Aufenthaltes bei den Chiquito-Indianer im heutigen Bolivien, entpuppte er sich als wahres Genie (auch das ein Buchtitel von Plattner). Schmid betätigte sich nicht nur als Missionar, sonder verfasste unter anderem eine Grammatik in Chiquitano, komponierte geistige Musikwerke und lernte die Indianer, diese Stücke mit selbstangefertigten Instrumenten spielen. Daneben betätigte er sich als Architekt. Die von ihm konstruierten Urwaldkirchen sind es, die ins Welt-Kulturerbe aufgenommen wurden.

Als nach 1767 alle Jesuiten das Land aus politischen Gründen verlassen musste, kehrte Martin Schmid nach Europa zurück. Der mehr als 70järige Pater wurde vorerst für fünfzehn Monate in Cadiz interniert, bevor er nach einem Aufenthalt in Augsburg ans Jesuiten-Kolleg von Luzern zurückkehren konnte. 1772 starb er, gerade ein Jahr bevor der Jesuitenorden aufgelöst wurde.

Bilder:
– Der Reisläufer Gottes ist ein Ausschnitt des Schutzumschlages des gleichnamigen Buches.
– Die Kirche San Javier steht in der Provinz Ñuflo de Chávez, Bolivien. (siehe Wikipedia: Jesuit Missions of the Chiquitos)

Bücher von Felix Alfred Plattner:
– Ein Reisläufer Gottes. Das abenteuerliche Leben des Schweizer Jesuiten P. Martin Schmid aus Baar. Luzern 1944.
– Genie im Urwald. Das Werk des Auslandschweizers Martin Schmid aus Baar. Zürich 1959.

Beachte den Artikel von Delf Bucher in der NZZ vom 7. 3. 2002: Die Jesuiten Missionen im bolivianischen Tiefland (pdf).

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