san ju

3. August 2011

lactatio bernardi in alberswil.

Abgelegt unter: kirchen, orte — Schlagwörter:, — sanju @ 07:13

Maria spritzt Milch: Ausschnitt des Altarbildes des nördlichen Nebenaltars

Mindestens zwei mal täglich, vor und nach dem Mittagessen, wurde früher das Gegrüsst-seist-du-Maria gebetet. Den Satz Du bist gebenedeit unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes Jesus habe ich als Kind nie richtig verstanden. Weder unter gebenedeit noch unter Frucht deines Leibes konnte ich mir etwas vorstellen. Erst nach der neuen Sprachregelung nach Vatikan II verstand ich den Text besser. Für den Heiligen Bernhard, hatte die Frucht Marias jedoch andere Qualität. Direkt den Mund des staunenden Heiligen traf Maria mit ihren Milchstrahl. So die Darstellung des Luzerner Künstlers Johann Jakob Fleischlin (um 1669-1700), wie sie in der ländlichen Kapelle St. Blasius in Alberswil zu betrachten ist.

Der heilige Bernhard empfängt Marias Milchstrahl: Ausschnitt des Altarbildes des nördlichen Nebenaltars

29. Juli 2011

ferienbeginn

Abgelegt unter: orte, worte — Schlagwörter: — sanju @ 17:16

“Arbeit ist Leben, Nichtstun der Tod” und “Schaffen und Streben ist der Götter Gebot”. Diese zwei Leitsätze an einem alten Haus sind wohl angebracht worden, bevor Luzern eine Touristenstadt und bevor der Ferien- und Freizeitkult zu einer Selbstverständlichkeit geworden war.
Oder sind sie Fresken gerade deshalb angebracht worden, weil die Luzerner Jugend die Freizeit allzu sehr genoss?

(Fresken am Hintereingang des ehemaligen Jesuitengymnasiums von Luzern. Erbaut 1729-1731)

22. Februar 2011

roi maroccain

Abgelegt unter: koepfe, orte — Schlagwörter:, — admin @ 10:23

Letzten Frühsommer in Marokko: Die Polizei hält sich mehrheitlich im Hintergrund und wenn sie sich zeigt, dann gerne in der Paradeuniform. Anders der König. Er ist omnipräsent: in jedem öffentlichen Gebäude aber auch in jeder Laden und in jedem Handwerksbetrieb hängt ein Bild von ihm.

Auch an den Mauern von Marrakesch ist hin und wieder ein Königsbild als Graffiti sichtbar. Bei genauerem Hinschauen entpuppt sich dieser König jedoch als GrazBoy, eine Figur der marokkanischen Fussballfans.

Die Mitglieder der Fangruppe Grazy Boyz bezeichnen sich selber als Ultras.

Die Bilder entstanden im Juni 2010 in Marrakesch und Fez.

3. Oktober 2010

messebeginn am sankt leodegar

Abgelegt unter: orte — Schlagwörter:, , , — sanju @ 10:38

Dieses Jahr fiel der Beginn der Luzerner Herbstmess mit dem Patrozinium des Sankt Leodegar zusammen. Gleichzeitig war der diesjährige 2. Oktober ein sonniger, warmer Herbsttag, der mit einem kitschig-roten Alpenglühen abschloss. Wir beendeten den Tag mit ein paar Gläsern Rotwein unter alten Freunden.

22. September 2010

grüne schreib- und rechenkünste

Abgelegt unter: orte, worte — Schlagwörter:, — sanju @ 15:04

Der grünen Partei der Schweiz gebe ich jeweils bei Wahlen meine Stimme, weil ich einzelne Exponenten persönlich kenne oder sie sympathisch finde. Nicht immer reagiert die Partei dann so, wie ich es von ihr erwarte. Die grösste Enttäuschung erfuhr ich bei der EWR-Abstimmung -lange ist’s her-, als dank ihrer Stimmen die SVP den Sieg errang. Dieses unzuverlässige Verhalten hat sich ja mittlerweile etwas geändert. Die Grünen sind sogar soweit, dass sie sich eine eigene Bundesrätin zutrauen. Tapfer, obwohl sie rechnerisch keine Chancen hatten, gaben sie bis zum dritten Wahlgang der Bundesratswahl von 2011 ihrer Kandidatin Brigit Wyss die Stimme. Als ihre Kandidatin ausschied, verliessen einige der 28  grünen Wähler (22 davon wohl Parteimitglieder)  die Kräfte für den letzten Wahlgang.

  • zwei mussten unbedingt auf die Toilette (fehlende Stimmzettel)
  • vieren versagte die Hand (leere Stimmzettel)
  • fünfen gingen die richtigen Worte aus (ungültige Stimmzettel)
  • vier wechselten zum SVP-Kandidaten (globales Welschland?)
  • acht wechseln zu Karin Keller-Sutter (Feministen?)
  • fünf entschieden sich für Schneider-Ammann (Kapitalisten?)

So zuverlässig ist das Wahlverhalten meiner grünen Vertreter, dass sie sich nicht scheuen,einem SVPler die Stimme zu geben, um allenfalls eine fünfte Frau im Bundeshaus zu verhindern. Für mich sind das verschwendete Stimmen, genauso wie die leeren und ungültigen und auch ein Zeichen einer gewissen Unreife. Ich werde mich bei den nächsten Wahlen von anderen Parlamentarier vertreten lassen.

Bild: Grüne Aussichten vom Napf.

25. August 2010

120 meter höhendifferenz

Abgelegt unter: kirchen, koepfe, orte — Schlagwörter:, , , , — sanju @ 07:53

Geplant war eine kleine Velotour von Luzern nach Sempach-Station, genaugenommen zum Weiler Adelwil. Ich wählte die gut ausgeschildert Radroute Nr. 3 aus. Ausgangs Emmen wurde ich durch ein Hinweisschild vor der drohenden Steigung gewarnt: 120 Meter Höhenunterschied auf den nächsten 8 Kilometern. Untrainiert wie ich bin, kam ich recht ins Schwitzen und war froh, als ich den Turm der Kirche Bertiswil sah. Er gab mir Anlass für einen Zwischenhalt. Die Kirche Bertiswil steht etwas ausserhalb von Rothenburg Richtung Rain. Sie wurde erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt und nach 1500 wesentlich umgebaut und vergrössert. Die äussere Form hat sich in den letzten 500 Jahren unwesentlich verändert. Vor allen der Kirchturm mit dem charakteristischen Giebeldach gibt der Kirche ihr mittelalterliches Gepräge.

Im Chorraum sind beachtliche Fresken aus dem frühen 16. Jahrhundert wieder freigelegt worden. Sonst hat die Ausstattung des Innenraumes seit dem späten Mittelalter doch einige Änderungen erfahren. Die Altäre stammen aus dem Barock, der Hauptaltar von 1688, die Seitenaltäre von 1700. Das Zentrum des Hauptaltares bildet eine Pièta, Maria mit dem geschundenen Jesus auf ihrem Schoss. Auf den zwei seitlichen Konsolen stehen Jakobus und die hübsche Maria Magdalena.

An den beiden Seitenansichten des Tabernakels sind zwei spät-gotische Reliefs angebracht. Auf ihnen sind die vierzehn Nothelfer dargestellt.

Die vierzehn Nothelfer erlebten seit dem 14. Jahrhundert eine immer grössere Beliebtheit in der Volksfrömmigkeit. Zur gleichen Zeit als die Kirche von Bertiswil neu erbaut wurde, war im ganzen Gebiet des Kanton Luzerns eine rege Kirchenbautätigkeit im Gange. Gleichzeitig war ein Anstieg der Heilgenverehrung und des lokalen Wallfahrtswesen zu beobachten. Die Nothelfer waren oft das Ziel von Verehrungen; wohl auch deshalb, weil mit ihnen die verschiedensten Bedürfnisse abgedeckt waren. Längst ist nicht mehr vielen bekannt, für welche Krankheiten und Wünschen welcher der Heiligen angerufen werden kann.
Erasmus, auf dem Bild der erste oben links, hilft bei Krämpfen und Koliken; Dionysius bei Kopfweh und schlechtem Gewissen; Eustachius bei Trauerfällen; Achatius bei Todesangst. In der unteren Reihe sind die drei nach Maria am meisten verehrten Heiligen dargestellt. Barbara, die erste unten links, schützt vor Blitz und Feuersbrunst; Katharina ist Beschützerin aller Mädchen und Frauen und hilft bei Sprachschwierigkeiten. Margareta schliesslich verhilft zu einer guten Geburt und beschleunigt allgemein die Wundheilung.

Das Relief mit der zweiten Hälfte der vierzehn Nothelfer beginn mit einem für das späte Mittelalter äusserst wichtigen Heiligen, mit Christopherus. Ihn rief man an, damit man nicht unerwartet den Tod fand. Neben ihm ist ein Bischof dargestellt. Obwohl er die Insignien von Nikolaus trägt, dürfte sich um Blasius handeln. Dieser war zuständig für alle Halserkrankungen. Neben ihm steht Pantaleon, der Patron der Hebammen und Ärzte. Die zweite Reihe beginnt mit dem Drachentöter St. Georg. Er konnte bei verschiedensten Anliegen angesprochen werden. So schützte er vor Pest und Krieg, galt aber auch als Beschützer der Haustiere. Den Abschluss bilden Vitus (Veit), der Helfer bei Geisteskrankheit, Cyriacus, der Beistand in der Todesstunde und Ägidius, der gerne von stillenden Müttern angerufen wurde.

Nach dem kulturhistorisch überraschenden Kirchenbesuch (vlg. Eintrag im HLS) mussten nun noch die letzten Höhenmeter Richtung Sandblatten bewältigt werden. Nach kaum einem Kilometer wies mich der nächsten sakralen Wegbegleiter, ein imposantes Wegkreuz, auf die Abzweigung nach Sempach hin. Von jetzt an ging es auf einer kaum befahrenen Nebenstrasse fast nur noch begab. Gerne tauschte ich einige der gewonnenen Höhenmeter mit einer leichten Abfahrt. Mein Ziel war Adelwil, ebenfalls ein Wallfahrtsort der vierzehn Nothelfer.

30. Juni 2010

der geist am berg

Abgelegt unter: orte, worte — Schlagwörter:, , — sanju @ 15:58

Im Literaturclub des Schweizer Fernsehens vom 29. Juni wurde das neue Buch von Tim Krohn und Laura Jurt vorgestellt. Nun ist es auch im Buchhandel erhältlich. Wir sind natürlich gespannt auf die Bilder von Laura.

Einen Kommentar haben wir schon aufgeschnappt:
»Das ist äusserst schöne knappe Prosa, sehr dicht geschrieben, mit tollen Bildern.«
Carlo Bernasconi, Schweizer Buchhandel

29. Juni 2010

zahnprobleme?

Abgelegt unter: orte — Schlagwörter:, , , — sanju @ 08:29

Werbung für Zahntechniker, Zahnärzte, Zahnmechaniker, Zahn-Prothesisten, Dentisten mit und ohne Diplom und für das Zahnlabor von Madame Ben Jelloun. Marokko Juni 2010.

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2. Juni 2010

afrika beginnt in marrakesch

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Die Kamele sind gesattelt. Aufbruch am 2. Juni. Destination Marrakesch.

21. April 2010

verdunkelter himmel und schöpferischer geist

Abgelegt unter: orte, worte — Schlagwörter:, , , — sanju @ 16:20

Von William Turner wird gesagt, er sei durch die Sonnenaufgangs- und Sonnenuntergangsstimmungen der Jahre 1816/1817 in seiner Malweise wesentlich beeinflusst worden. In diesen Jahren seien die Lichtverhältnisse durch die in der Atmosphäre schwebende Vulkanasche aus Indonesien eigentümlich getrübt gewesen. Die Explosion des Tambora als Quelle der künstlerischen Imagination?

Am Genfersee soll die Vulkanasche, beziehungsweise die daraus resultierende Klimaverschlechterung, ebenfalls Einfluss auf das kreative Verhalten einiger Engländer ausgeübt haben. Lord Byron, der sich im Frühjahr 1816 in Cologny bei Genf eine Villa gemietet hatte, verfasste, angeregt durch die atmosphärisch finstere Stimmung über dem See, sein berühmtes Gedicht Darkness. Da Byron wegen des anhaltend nasskalten Wetters nur beschränkt Ausflüge machen konnte, kam er zusammen mit dem ebenfalls anwesenden englische Schriftsteller Percy Shelley und dessen Geliebte Mary überein, sich gegenseitig Gruselgeschichten zu erzählen. Eine der erzählten Geschichten wurde die Grundlage von Mary Shelleys Roman Frankenstein oder Der moderne Prometheus, der 1818 das erste Mal erschien. Der Tambora als Quelle literarischer Inspiration?

Man mag einiges dem Vulkanausbruch in Indonesien zuschreiben, vieles bleibt reine Spekulation. Byron war schon vor der Eruption für seine oft melancholische Schreibweise bekannt. Die Traurigkeit seiner im Sommer 1816 entstanden Gedichte sind wohl eher seiner tiefen Depression als dem Wetter zuzuschreiben. Ob die berühmten Bilder Turners mit dem diffusen Licht tatsächlich auf seine Eindrücke im Vulkansommer 1816 zurückzuführen sind, bleibt mehr als umstritten. Eher scheint er durch seine neuen Erfahrungen des mediterranen Lichtes geprägt worden zu sein. Beide, Turner und Byron werden kaum etwas vom Ausbruch des Tamboras mitbekommen haben. Ein Zusammenhang zwischen der Vulkanwolke und der Klimaverschlechterung wurde erst um 1920 festgestellt. Ein anderes Ereignis aus dem Jahr 1815 war für beide viel wichtiger, die Niederlage Napoleons. Sie hatte für die die Engländer erhebliche Auswirkungen, weil nun endlich die Kolonialsperre aufgehoben wurde und sie wieder frei reisen konnte.
Lord Byron verliess England im Frühjahr 1816, besuchte zuerst das Schlachtfeld von Waterloo und reiste anschliessend nach Genf, um dort wie andere Engländer auch, den Sommer zu verbringen. Turner reiste 1817 auf den Spuren von Turner ebenfalls nach Waterloo und anschliessend dem Rhein entlang. Im Jahr 1819 konnte er endlich seine lang verhinderte erste Italienreise antreten. Sie führte ihn über Mailand, Venedig und Rom nach Neapel, wo er einen Ausbruch des Vesuv erlebte. Mit circa 1500 Skizzen und einem neuen Lichtkonzept kehrte er im Februar 1820 nach London zurück. Byron verliess die Schweiz bereits im Herbst 1816 und zog weiter nach Italien. Von Ravenna aus schrieb er 1821 in einem Brief nach England:
Die Schweiz ist ein verdammt selbstsüchtiges Sauland von Tölpeln, das in der romantischsten Gegend der Welt liegt. Ich konnte ihre Einwohner nie ausstehen…
Es war also nicht nur das Wetter, das Byron zum Verlassen der Schweiz bewog.

Vgl:
- Inge Herold: Turner auf Reisen. München 1997.
- Hans-Ulrich Mielsch: Sommer 1816. Lord Byron und die Shelleys am Genfer See. Zürich 1998.

Das Bild von der blauen Rigi malte Willilam Turner 1842, als er sich anlässlich einer Schweizerreise für einige Wochen in Luzern aufhielt.

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