san ju

3. August 2011

lactatio bernardi in alberswil.

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Maria spritzt Milch: Ausschnitt des Altarbildes des nördlichen Nebenaltars

Mindestens zwei mal täglich, vor und nach dem Mittagessen, wurde früher das Gegrüsst-seist-du-Maria gebetet. Den Satz Du bist gebenedeit unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes Jesus habe ich als Kind nie richtig verstanden. Weder unter gebenedeit noch unter Frucht deines Leibes konnte ich mir etwas vorstellen. Erst nach der neuen Sprachregelung nach Vatikan II verstand ich den Text besser. Für den Heiligen Bernhard, hatte die Frucht Marias jedoch andere Qualität. Direkt den Mund des staunenden Heiligen traf Maria mit ihren Milchstrahl. So die Darstellung des Luzerner Künstlers Johann Jakob Fleischlin (um 1669-1700), wie sie in der ländlichen Kapelle St. Blasius in Alberswil zu betrachten ist.

Der heilige Bernhard empfängt Marias Milchstrahl: Ausschnitt des Altarbildes des nördlichen Nebenaltars

25. August 2010

120 meter höhendifferenz

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Geplant war eine kleine Velotour von Luzern nach Sempach-Station, genaugenommen zum Weiler Adelwil. Ich wählte die gut ausgeschildert Radroute Nr. 3 aus. Ausgangs Emmen wurde ich durch ein Hinweisschild vor der drohenden Steigung gewarnt: 120 Meter Höhenunterschied auf den nächsten 8 Kilometern. Untrainiert wie ich bin, kam ich recht ins Schwitzen und war froh, als ich den Turm der Kirche Bertiswil sah. Er gab mir Anlass für einen Zwischenhalt. Die Kirche Bertiswil steht etwas ausserhalb von Rothenburg Richtung Rain. Sie wurde erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt und nach 1500 wesentlich umgebaut und vergrössert. Die äussere Form hat sich in den letzten 500 Jahren unwesentlich verändert. Vor allen der Kirchturm mit dem charakteristischen Giebeldach gibt der Kirche ihr mittelalterliches Gepräge.

Im Chorraum sind beachtliche Fresken aus dem frühen 16. Jahrhundert wieder freigelegt worden. Sonst hat die Ausstattung des Innenraumes seit dem späten Mittelalter doch einige Änderungen erfahren. Die Altäre stammen aus dem Barock, der Hauptaltar von 1688, die Seitenaltäre von 1700. Das Zentrum des Hauptaltares bildet eine Pièta, Maria mit dem geschundenen Jesus auf ihrem Schoss. Auf den zwei seitlichen Konsolen stehen Jakobus und die hübsche Maria Magdalena.

An den beiden Seitenansichten des Tabernakels sind zwei spät-gotische Reliefs angebracht. Auf ihnen sind die vierzehn Nothelfer dargestellt.

Die vierzehn Nothelfer erlebten seit dem 14. Jahrhundert eine immer grössere Beliebtheit in der Volksfrömmigkeit. Zur gleichen Zeit als die Kirche von Bertiswil neu erbaut wurde, war im ganzen Gebiet des Kanton Luzerns eine rege Kirchenbautätigkeit im Gange. Gleichzeitig war ein Anstieg der Heilgenverehrung und des lokalen Wallfahrtswesen zu beobachten. Die Nothelfer waren oft das Ziel von Verehrungen; wohl auch deshalb, weil mit ihnen die verschiedensten Bedürfnisse abgedeckt waren. Längst ist nicht mehr vielen bekannt, für welche Krankheiten und Wünschen welcher der Heiligen angerufen werden kann.
Erasmus, auf dem Bild der erste oben links, hilft bei Krämpfen und Koliken; Dionysius bei Kopfweh und schlechtem Gewissen; Eustachius bei Trauerfällen; Achatius bei Todesangst. In der unteren Reihe sind die drei nach Maria am meisten verehrten Heiligen dargestellt. Barbara, die erste unten links, schützt vor Blitz und Feuersbrunst; Katharina ist Beschützerin aller Mädchen und Frauen und hilft bei Sprachschwierigkeiten. Margareta schliesslich verhilft zu einer guten Geburt und beschleunigt allgemein die Wundheilung.

Das Relief mit der zweiten Hälfte der vierzehn Nothelfer beginn mit einem für das späte Mittelalter äusserst wichtigen Heiligen, mit Christopherus. Ihn rief man an, damit man nicht unerwartet den Tod fand. Neben ihm ist ein Bischof dargestellt. Obwohl er die Insignien von Nikolaus trägt, dürfte sich um Blasius handeln. Dieser war zuständig für alle Halserkrankungen. Neben ihm steht Pantaleon, der Patron der Hebammen und Ärzte. Die zweite Reihe beginnt mit dem Drachentöter St. Georg. Er konnte bei verschiedensten Anliegen angesprochen werden. So schützte er vor Pest und Krieg, galt aber auch als Beschützer der Haustiere. Den Abschluss bilden Vitus (Veit), der Helfer bei Geisteskrankheit, Cyriacus, der Beistand in der Todesstunde und Ägidius, der gerne von stillenden Müttern angerufen wurde.

Nach dem kulturhistorisch überraschenden Kirchenbesuch (vlg. Eintrag im HLS) mussten nun noch die letzten Höhenmeter Richtung Sandblatten bewältigt werden. Nach kaum einem Kilometer wies mich der nächsten sakralen Wegbegleiter, ein imposantes Wegkreuz, auf die Abzweigung nach Sempach hin. Von jetzt an ging es auf einer kaum befahrenen Nebenstrasse fast nur noch begab. Gerne tauschte ich einige der gewonnenen Höhenmeter mit einer leichten Abfahrt. Mein Ziel war Adelwil, ebenfalls ein Wallfahrtsort der vierzehn Nothelfer.

28. Dezember 2009

ex voto in maria rickenbach

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ex voto gefangenentransport

Gefangenentransport nach Basel 1799

ex voto Geburt 1833

Wöchnerin 1833

ex voto 1673 seenot

Seenot 1673

ex voto 1807

Nasenbluten 1807

ex voto zwei Faruen 1798

Zwei Frauen, die sich 1798 mit ihren fünf Kindern erfolgreich vor den Franzosen verstecken konnten

ex voto frau im bett mit mut kniendem mann 1859

Kniender Mann am Bett von Frau und Kind 1859

Bevor wir uns nach dem weihnächtlichen Spaziergang im Pilgerhaus von Maria Rickenbach bei einem heissen Tee aufwärmten, wollten wir noch die von aussen etwas schmucklos wirkende Wallfahrts-Kirche besichtigen. Wir waren dann überrascht von der Anzahl Votivtafeln, die im Inneren an den Seitenwänden aufgehängt waren. Ein wahrer kulturhistorischer Schatz ist hier zu besichtigen. Seit mehreren Jahrhunderten wurden hier Exvoto-Bilder aufgehängt als Erinnerung und Dank an die Mutter Gottes Maria, die hier offenbar seit dem 16. Jahrhundert verehrt wird. Im Eingangsbereich kommt die politische Gesinnung zum Ausdruck, der die Wallfahrtsstätte verpflichtet scheint. So ist auf einem Fenster ein Bild aus der Reformationszeit mit einer Bildersturmszene dargestellt. Gegenüber ist eine Mehrfach-Exvototafel mit einer Darstellung eines Gefangenentransportes aus der Zeit der Helvetik aufgehängt. Auf zwei Pferdewagen werden etwa zwei Dutzend Innerschweizer von französischen Soldaten in die Haft auf den Hauenstein abgeführt. Im Inneren dominieren Tafeln mit persönlichem Inhalt. Oft sind es Wöchnerinnen, die mit ihren Kleinkindern im Bett liegen und wohl für eine glückliche Geburt danken. Auf anderen Bildern wird gedankt, dass ein Unfall glimpflich abgelaufen ist; so etwa in der Darstellung eines umgekippten Heuwagens. Auf einem anderen Bild ist dargestellt, wie jemand von zweyen Unholden mörderisch angegriffen wurde und dank der Fürbitte gerettet wurde.

(Bei den abgebildeten Votivtafeln handelt es sich um Ausschnitte. Fotografiert am 26. Dezember 2009 in der Kirche Maria Rickenbach NW)

17. September 2009

ein reisläufer gottes

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Martin Schmid Reisläufer Gottes
Ein Reisläufer Gottes: diesen Titel gab Felix Alfred Plattner 1944 der Lebensgeschichte des aus Baar stammenden Jesuiten-Missionars Martin Schmid. Ob die martialische Bezeichnung durch die Kriegszeit bedingt war oder ob sie auf den militärischen Sprachgebrauch der Jesuiten zurückzuführen ist, kann wohl nicht mehr festgestellt werden. Der Autor beklagt sich, dass in Luzern wohl mit dem Löwendenkmal den militärischen Söldner ein Denkmal errichtet worden sei, nicht jedoch den Reisläufern Gottes, die von Luzern aus nach beiden “Indien” aufgebrochen waren, um die Welt geistig zu erobern. Mit seiner Schrift, die sich in erster Linie auf die Briefe von Martin Schmid beruft, wollte Plattner gleichsam stellvertretend den Innerschweizer Missionaren ein Denkmal setzen.
Was Plattner damals bereits ahnte, ist die Tatsache, dass Martin Schmid sich selber bemerkenswerte Denkmäler gesetzt hatte. Denkmäler, die zwar auch als Touristenattraktionen gelten, im Gegensatz zum Löwendenkmal jedoch zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt worden sind.
San_Javier_church

Martin Schmid (1694-1772), der am Jesuiten-Kollegium in Luzern studiert hatte, machte sich 1726 nach Südamerika auf. Während seines fast 40jährigen Aufenthaltes bei den Chiquito-Indianer im heutigen Bolivien, entpuppte er sich als wahres Genie (auch das ein Buchtitel von Plattner). Schmid betätigte sich nicht nur als Missionar, sonder verfasste unter anderem eine Grammatik in Chiquitano, komponierte geistige Musikwerke und lernte die Indianer, diese Stücke mit selbstangefertigten Instrumenten spielen. Daneben betätigte er sich als Architekt. Die von ihm konstruierten Urwaldkirchen sind es, die ins Welt-Kulturerbe aufgenommen wurden.

Als nach 1767 alle Jesuiten das Land aus politischen Gründen verlassen musste, kehrte Martin Schmid nach Europa zurück. Der mehr als 70järige Pater wurde vorerst für fünfzehn Monate in Cadiz interniert, bevor er nach einem Aufenthalt in Augsburg ans Jesuiten-Kolleg von Luzern zurückkehren konnte. 1772 starb er, gerade ein Jahr bevor der Jesuitenorden aufgelöst wurde.

Bilder:
- Der Reisläufer Gottes ist ein Ausschnitt des Schutzumschlages des gleichnamigen Buches.
- Die Kirche San Javier steht in der Provinz Ñuflo de Chávez, Bolivien. (siehe Wikipedia: Jesuit Missions of the Chiquitos)

Bücher von Felix Alfred Plattner:
- Ein Reisläufer Gottes. Das abenteuerliche Leben des Schweizer Jesuiten P. Martin Schmid aus Baar. Luzern 1944.
- Genie im Urwald. Das Werk des Auslandschweizers Martin Schmid aus Baar. Zürich 1959.

Beachte den Artikel von Delf Bucher in der NZZ vom 7. 3. 2002: Die Jesuiten Missionen im bolivianischen Tiefland (pdf).

27. Juli 2009

sélestat: praeter me nemo

Abgelegt unter: kirchen, koepfe, orte — Schlagwörter:, , — sanju @ 10:23

praeter me nemo

Um von Obernai nach Basel zu gelangen, benützt man am besten den Regionalzug nach Sélestat. Ein Zwischenhalt in Schlettstatt lohnt sich jedenfalls. Sehenswert sind sicher die romanische Kirche St. Foy und die gotische Kirche St. Georges. Daneben ist Sélestat natürlich bekannt wegen seiner Bibliothèque Humaniste, einer Sammlung von Büchern, welche aus der Bibliothek der Latein-Schule von Schlettstadt und der Privatbibliothek von Beatus Rhenanus hervorgegangen ist. In dieser Bibliothek bin ich doch noch auf eine Spur von Thomas Murner gestossen. In einer Vitrine ist eine Schrift ausgestellt, auf deren Titelblatt Jakob Wimpfeling sich mit einer Schar von Freunden und Schülern Thomas Murner entgegen stellt. Murner ist an der Banderole mit der Aufschrift “preter me nemo”, keiner ausser mir, erkennbar. Er hatte 1502 gewagt, eine Schrift des hochangesehenen Schlettstädter Humanisten Wimpfeling anzugreifen. Wimpfeling hatte in einer Schrift mit dem Namen “Germania” zu begründen versucht, wieso das Elsass deutsch sei; Murner hatte mit einer Gegenschrift “Germania nova” mit ebenso unzulänglichen Argumenten die französische Herkunft nachgewiesen. Eine Auseinandersetzung bahnte sich an, in deren Folge die Verbreitung der murnerischen Schrift verboten wurde, Murner seine Reputation als Humanist verlor und er zusätzlich mit dem Spottnamen Murnar (Murr-Narr) versehen wurde, ein Name der ihm zeitlebens geblieben ist.

st foy

Bild oben: Ausschnitt aus der Schrift: Defensio Germaniae Jacobi Wympfelingii. Freiburg i. Br. 1502 (aufgenommen durch die Glasscheibe der Vitrine).
Bild unten: Kirche Sainte-Foy (Sankt-Fides) in Sélestat aus dem 12. Jahrhundert (bei einsetzendem Regen).

15. Mai 2009

indianer in luzern

Abgelegt unter: kirchen, koepfe, orte — Schlagwörter:, , — sanju @ 08:34

indianer-in-luzern
Indianer haben Konjunktur. Dies nicht nur wegen des deutschen Finanzministers, der glaubt mit seiner Kavallerie die Schweizer Eingeborenen eingeschüchtert zu haben. Aktuell wird in den nationalen Medien auch des ältesten Luzerner Indianers gedacht. Zu Ehren des Vorort-Apachen Angy Burri wurde in Luzern zu dessen siebzigsten Geburtstag in der Kornschütte eigens eine Ausstellung eingerichtet.
Luzern und Indianer haben allerdings eine lange Tradition. Seit dem späten 17. Jahrhundert, seit 1667 die Jesuitenkirche fertig gestellt war, kniet ein bekehrter Indianer mit Federschmuck und Lendenschurz, ausgerüstet mit Pfeil und Köcher, zu Füssen des Fassadenheiligen Franz Xaver, der als neuer Stadtpatron beschützend auf Reuss und Altstadt blickt. Unlängst hat die Kunsthistorikerin Christine Göttler in einem Vortrag zur Jesuitischen Kultur in Luzern (Die Kunst der Konversion. Antwerpen, die Jesuiten und die neue Welt) auf diese Statue hingewiesen. Erwähnt hat sie dabei auch die Tatsache, dass Franz Xaver wohl von Indien bis nach China missionierte, dass er jedoch nie einen leibhaftigen Indianer zu Gesicht bekommen hatte. Dass die Jesuiten es nicht nur als ihre Aufgabe anschauten, in Übersee Seelen zu fischen, sondern auch die einheimischen Indianer missionieren wollten, auf das weisst der Historiker Dominik Sieber hin. Er bietet zur Zeit an der Universität Zürich ein Seminar an mit dem Titel: “Eigene Indianer. Barocke Volkskulturen in Luzern und der Innerschweiz”.

Christine Göttler: Novissima: Art and Religious Practice in the Age of Reform (Veröffentlichung demnächst).
Dominik Sieber: Jesuitische Missionierung, priesterliche Liebe, sakramentale Magie. Volkskulturen in Luzern 1563-1614. Basel 2005.

23. November 2008

zehn jungfrauen

Abgelegt unter: kirchen, koepfe — Schlagwörter:, — sanju @ 10:22


Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen war gerade in der Gothik ein beliebtes Bildsujet. Die biblische Geschichte war im Mittelalter sehr populär und wurde recht häufig zur Gestaltung von Kirchenportalen verwendet (so etwa in den Münstern von Strassburg, Freiburg, Basel und Bern). Bei meinem gestrigen Besuch im Landesmuseum in Zürich habe ich eine weiterer Darstellung des Gleichnisses entdeckt. Elisabath Häberlin begann im Jahre 1617 ihr Tischtuch mit der Geschichte der zehn Jungfrauen zu besticken. Im gleichen Jahr beendigte sie -wie sie es ebenfalls mit Faden und Nadel ausführt- ihre Arbeit.
Das Thema der zehn Jungfrauen hat mich in letzter Zeit vermehrt beschäftigt, ist doch vor kaum drei Wochen ein zehntes Mädchen in unserer Familie aufgetaucht. Lovis ist vorerst die jüngste unter den drei anderen Grosskinder Joan, Georgina und Emilie. Ich nehme nicht an, dass sie die letzte in dieser Mädchenreihe sein wird.

(Das Bild des bestickten Tischtuches ist trotz des Fotografier-Verbotes erstellt worden. Vielleicht ist das der Grund, dass es so verwackelt und unscharf wurde? Das Bild vom Baslerportal ist Wikipedia entnommen und ist entsprechend scharf.)

31. August 2008

wasser aus werthenstein

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Wie schon letztes Jahr war es für mich ein Anreiz von Luzern aus mit dem Velo ans Jazzfestival in Willisau zu fahren. Auf dem Hinweg wollte ich wieder in Menznau Bauernbratwürste einkaufen. Auf dem Weg durch das ländliche Luzernerland, kann man die bauernhofeigenen Plakatwände nicht übersehen. Dieses Jahr ging es um fairen Milchpreis und gegen die Zwangseinschulung von vierjährigen Kindern. Zu diesem Zweck hat die SVP ein Plakat mit zwei traurig weinenden Kindern kreiert. Da ich zeitlich etwas spät dran war, entschloss ich mich nach etwa zwanzig Kilometer in Werthensten einen Halt einzulegen. Es war für mich eine gute Gelegenheit, meine Wasserflasche auszufüllen und die Wallfahrtskirche auf dem Burghügel zu besuchen.

Werthenstein war im 17. und 18. Jahrhundert neben Einsiedeln der bedeutendste Wallfahrtsort der Zentralschweiz. Entstanden war er erst um 1500. Einem Goldwäscher aus den Niederlanden soll die Maria erschienen sein. Er habe dann ein Marienbildnis am Erscheinungsort aufgehängt und der Ort habe sich zu einer lokalen Andachtsstätte entwickelt. Der Durchbruch zum Wallfahrtsort ist offenbar durch das “Zwetschgensteinwunder” eingeleitet worden. Ein Knabe habe sich aus Unvorsicht einen Zwetschgenstein in die Nase gestossen und konnte nicht mehr von ihn befreit werden. Als die Eltern mit dem Knaben zum Marienbildnis gingen -O Wunder- musste er kräftig niesen und war somit geheilt.

Der Aufstieg zum Kloster ist recht steil, so dass ich vom Velo absteigen musste. Unterwegs stiess ich dann auf eine Grotte mit einem Marienstatue und einem kleinen Brunnen. Die Quelle sei 1632 erstmals erwähnt aber erst 1932 gefasst und in die Grotte geführt worden. Weiter stand auf einer Tafel geschrieben, dass die Wasserqualität einwandfrei und die Zusammensetzung unerklärlich seien. Mehrere Wunderzeichen im Zusammenhang mit der Quelle seien bekannt. So nahm ich denn einen kräftigen Schluck und füllte meine Wasserflasche auf.

Nach der Besichtigung der Wallfahrtskirche, gekräftigt durch das Wunderwasser nahm ich meine Fahrt wieder auf. Anstatt nach Willisau fuhr ich nun nach Ruswil. Versorgte mich dort mit Bratwürsten und kehrte über Hellbühl und Emmenbrücke nach Luzern zurück.

Das Bild von Maria und Josef ist ein Ausschnitt eines der vielen Fresken, die Josef Reinhard (bekannt als Trachtenmaler) in den Jahren 1775 bis 1779 im Hallenumgang des Klosters Werthenstein anbrachte. Nur schon diese Wandbilder sind einen Besuch wert.
Weiterführende Literatur zum Wallfahrtsort Werthenstein bei Hans Wicki: Staat, Kirche, Religiosität, Luzern 1990.

3. Mai 2008

königsfelden

Abgelegt unter: kirchen, orte — Schlagwörter:, , — admin @ 21:51

königsfelden jungfrauenNachdem ich bei meinem ersten Veloausflug vor einer Woche eher zufällig beim zerstörten Städtchen Alt-Eschenbach vorbeikam und gleichfalls zufällig auf das Aargauer Habsburger Gedenkjahr aufmerksam wurde, so habe ich in der zweiten Etappe gezielt die Habsburger Gedenkorte angesteuert. Ausgangpunkt war Bremgarten, wo ich vor einer Woche mein Velo parkiert hatte. Bremgarten, ein schönes altes Städtchen an einem Reussübergang hat mich schon deshalb interessiert, weil der Ort in der Schweizer Reformationsgeschichte eine wesentliche Rolle spielte; vorallem in der Auseinandersetzung zwischen Zürich und den Innerschweizer Orte. Unter der Führung von Vater und Sohn Bullinger war in Bremgarten die Reformation eingeführt und ein Bildersturm durchgeführt worden. Nach der Niederlage der Reformierten im zweiten Kappeler Krieg wurde Bremgarten wieder rekatholiziert. Die Stadt war ursprünglich habsburgisch und fiel 1415 nach viertägiger Belagerung an die Eidgenossen. Von Bremgarten ist es nicht weit bis in die eigentlichen Kernlande der Habsburger. Wenn man der Reuss entlang fährt, so kann man bei Windisch den Ort des Königsmordes vermuten. Zum Andenken an die Ermordung von Albrecht I. baute dessen Witwe unweit vom Tatort das Kloster Königsfelden. Das Kloster wurde während der Reformation 1528 säkularisiert; die Klostergüter fielen an Bern. Von grossem Glück kann man sprechen, dass die farbigen Glasfenster aus dem 14. Jahrhundert nicht dem reformatorischen Bildersturm zum Opfer fielen. Sie gehören “zu den erstrangigen Leistungen der europäischen Kunst” (Historisches Lexikon der Schweiz). Von Könisfelden sind es etwa vier Kilometer bis zur Habsburg.

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